Jazztrail Musiktipp: Alexander Hawkins – No Nation But Imagination / Intakt Records
Von Filipe Freitas. Mit „No Nation But Imagination“ liefert der britische Pianist und Komponist Alexander Hawkins ein radikales und faszinierend komplexes Werk, bei dem sich die Zuhörer vielleicht fragen, wie die ineinander verwobenen Klangschichten aus Klavier, Synthesizern, Harfe, Flöte, Schlagzeug, Plattenspielern und Samples so natürlich zusammenpassen.
Doch Hawkins – der bereits bewiesen hat, dass er große Ensembles leiten kann (Togetherness Music) und sich auf abenteuerliche Duette mit der Cellistin Tomeka Reid, dem Saxophonisten Evan Parker und der Sängerin Sofia Jernberg einlässt – verschiebt weiterhin Grenzen und gestaltet die Sprache der modernen improvisierten Musik durch ein weiteres ambitioniertes und experimentelles Unterfangen neu.
No Nation But Imagination klingt wie nichts anderes – ein Avantgarde-Manifest, geprägt von postmodernen Experimenten, ungewöhnlicher melodischer Logik, einzigartigen Klangtexturen und akribischer Detailarbeit in der Postproduktion. Hawkins, einer der fantasievollsten Keyboarder des zeitgenössischen Jazz, demonstriert einmal mehr, wie fortschrittliche Technik und furchtlose Kreativität Musik hervorbringen können, die sowohl intellektuell anspruchsvoll als auch zutiefst substanziell ist.
© Jazztrail.net, 14.5.2026