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John Cale wird 80 „Wirkmächtiger Soundrevolutionär“ Klaus Walter im Gespräch mit Mascha Drost

John Cale ist 80 Jahre alt geworden. Der Musiker schuf mit „The Velvet Underground & Nico“ eines der folgenreichsten Pop-Alben und hatte darüber hinaus großen Einfluss auf die Musikgeschichte. Noch immer ist er aktiv.

Die Legende zu dem ersten Album von „The Velvet Underground & Nico“, in der Besetzung Lou Reed, John Cale, Mo Tucker und Sterling Morris sowie der deutschen Sängerin Nico, bürgerlich Christa Päffgen, geht so: Gekauft haben das Album damals in den 60-ern nur ein paar Tausend Leute, aber alle haben daraufhin Bands gegründet und selber Musik gemacht. Das Album, von dem Popkünstler Andy Warhol produziert und 1967 von Verve Records veröffentlicht, war ein riesiger Schritt weg vom klassischen Popsong im Boy-Meets-Girl-Schema, sagt der Kritiker Klaus Walter. Das berühmte Album mit dem Bananen-Cover brachte ganz neue Themen in die Musik. Walter zitiert den Rockkritiker Lester Bangs mit den Worten: „Lou Reed ist der Typ, der Heroin, Speed, Homosexualität, Sadomasochismus, Mord, Frauenhass und Selbstmord mit Würde und Poesie und Rock’n’Roll versehen hat.“



John Cale und Lou Reed, der 2013 starb und die Texte für „The Velvet Underground & Nico“ schrieb, seien ein ungleiches, gegensätzliches und dabei sehr produktives Paar gewesen, sagt Klaus Walter. Der Waliser Cale kam von der europäischen E-Musik-Avantgarde, war Schüler von John Cage. Lou Reed liebte den Doo Wop und das klassische Songwriting.

Der Kritiker Didi Neidhart hat einmal gesagt, Velvet Underground sei im Grunde Doo Wop mit Drones. In der Minimal Music versteht man unter Drones lang gehaltene Töne; ein Pionier der Drones war La Monte Young, der mit seinem Theatre Of Eternal Music fast wie eine Rockband auftrat. Tilman Baumgärtel, der das Buch „Schleifen. Zur Geschichte und Ästhetik des Loop“ schrieb, sagt, John Cale habe die Technik der Drones in den Rocksound von Velvet Underground eingeführt: den etwas schwer zu ertragenden, nervenden Bratschenklang mit lang gehaltenen Tönen. Das war eine Soundrevolution.



© Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 9.3.2022

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