Musiktipps

Julia Hülsmann Quartett „The Next Door“: Eine Geschichte aus vier Handschriften

Niemand kommt hier mit leeren Händen an, auch wenn Julia Hülsmanns Eröffnungsstück „Empty Hands“ heißt. Es ist eine Komposition, die nicht mit der Tür ins Haus fällt, die keine komplizierte Materialsammlung in den Ring wirft, sondern einladend etwas wie eine weiße Leinwand anbringt. Von Hans-Jürgen Linke.

Bitte, liebe Mitmusiker, gesellt euch dazu! Das tun sie dann auch. Und während sich drei sukzessiv und scheinbar zwanglos einflechten, registriert man, dass die Eröffnungsakkorde keineswegs ganz leer waren, sondern einen Vorschlag mit komplexen Folgen unterbreitet haben.



So bekommt Julia Hülsmanns Musik etwas Doppelbödiges: Ihr Klavierspiel ist geprägt von Schönklang, Intensität und effektvoller Einfachheit, aber das ist Ergebnis einer klugen und sorgfältigen Reduktionsarbeit. Dahinter verbergen sich reichhaltige, aus verschiedenen Kontexten und mit unterschiedlichen Temperaturen bezogene Ideen, Wendungen, Komponenten. Die Schönheit dieser Klaviermusik nährt sich zu beträchtlichen Anteilen aus Dingen, die nicht gespielt werden, sondern als Möglichkeiten mitschwingen, mitklingen.



© Frankfurter Rundschau, Kultur, Musik, 8.9.2022


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