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„Keine lange Zeit auf der Welt, aber eine gute“ Die Lange Nacht über William Faulkner

Von Tom Noga. William Faulkner war Pionier der Erzählperspektive. Er zersplitterte die Handlung und schilderte sie aus der Haltung und in der Sprache seiner Protagonisten. Seine Romane sind heute aktueller denn je: Sie erforschen seelische Ursprünge des Rassismus.

Die Südstaaten waren sein Thema. Vor allem Mississippi und die Universitätsstadt Oxford, der William Faulkner (1897 – 1962) das fiktive Jefferson City nachempfunden hatte. Dort spielen die meisten seiner Romane. „Mississippi Goddamn“, wie die Sängerin und Bürgerrechtlerin Nina Simone einst sang. Das verdammte Mississippi. Der Staat im Süden, in dem das Antebellum, die Zeit vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg besonders verklärt wurde. Wo das gesellschaftliche Gift des Rassismus länger wirkte als anderswo. Wo sich eine weiße Elite länger, vehementer und brutaler gegen die Aufhebung der Rassentrennung stemmte und Afroamerikanern fast ein Jahrhundert lang elementare Bürgerrechte verwehrte. Das ist die Welt seiner Romane: einst reiche, sich aristokratisch gebende und doch von Abenteurern und Emporkömmlingen abstammende Familien, deren Werte verrottet sind und deren Mitglieder verkommen. Und das Milieu des White Trash, wie man heute sagen würde, die weiße Unterschicht, die der Südstaaten-Aristokratie erst den Spiegel vorhielt und sie dann sukzessive verdrängte. So entstanden epische Familiendramen, allem voran „Schall und Wahn“ und „Absalom! Absalom!“, sein Opus Magnum – brillant erzählt in der damals bahnbrechenden Technik des Bewusstseinsstroms: Faulkner erzählte nicht linear, sondern zersplitterte die Handlung und schilderte sie aus der Haltung und der Sprache seiner Protagonisten. Sein virtuoser Umgang mit Form, Sprache, Inhalt und gesellschaftlichem Kontext brachte ihm im Jahr 1950 den Nobelpreis für Literatur. Aktuell sind seine Romane geblieben, weil sie die seelischen Ursprünge des Rassismus erforschen, den die USA bis heute noch nicht überwunden haben.

Keine lange Zeit auf der Welt, aber eine gute
Die Lange Nacht über William Faulkner
Von Tom Noga
Regie: der Autor
(Wdh. v. 06.02.2021)

© Deutschlandfunk, lange Nacht, 1.3.2025

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