Nachhören

Klaus Doldinger: Nachrufe und Videos

Hier ist ein großer Musiker und Mensch von uns gegangen. Wenn ich mir anschaue, was Klaus Doldinger in den 70er- und 80er-Jahren alles gemacht hat, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hier kommen Nachrufe von Wolfgang Sandner, Hans-Jürgen Link und Josef Engels. Sowie Video, die es alle wert gesehen und gehört zu werden. Mit u.a. Udo Lindenberg am Schlagzeug. Gefunden bei Efeu/Perlentaucher 20.10.2025.

Ein untrügliches Gespür für melodische Charakteristik von Wolfgang Sandner (FAZ).

Klaus Doldinger war eine inspirierende Stimme des modernen Jazz und erlangte Berühmtheit auch als Komponist einprägsamer Filmmelodien. Jetzt ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

Die Geschichte des Jazz im Nachkriegsdeutschland ließe sich auch mit drei signifikanten Lebensläufen erzählen, ohne dabei wesentliche Aspekte der Entwicklung auszulassen. An jenem des arbeitenden Genies Albert Mangelsdorff, der in Frankfurt konsequent Stein auf Stein zu einem imposanten Posaunenwolkenkratzer zusammenfügte. An der Vita des exzentrisch-peniblen Stuttgarter Handwerkers Wolfgang Dauner, dessen Partituren riskante Klangwerkzeuge waren, um das Klavier bei Bedarf auch einmal in Brand setzen zu können. Schließlich an der Karriere des souveränen Pragmatikers Klaus Doldinger, der das Kunststück fertig brachte, mit dem Saxophon einen musikalischen Mittelweg zu beschreiten und dennoch in Rom ankam. Herausragende Jazzoriginale waren alle drei, der kommerziell erfolgreichste wurde Doldinger aus Berlin mit langen Lebensphasen in Düsseldorf und München.

© FAZ, Feuilleton, 18.10.2025

Nachruf auf Klaus Doldinger – Jazz ohne Einengungen. Von Hans-Jürgen Linke (FR.)

Geboren wurde Klaus Doldinger 1936 in Berlin, 1940 zog die Familie nach Wien und 1945 nach Bayern. Dort, in Schrobenhausen, hörte er zum ersten Mal in seinem Leben amerikanische Musiker Jazz spielen – ein Erlebnis, das er rückblickend als eindrucksvolle Initiation beschrieb. Von Schrobenhausen ging es 1947 nach Düsseldorf, wo er 1957 sein Abitur ablegte und dann zunächst begann, Klarinette zu studieren, um dann zum Altsaxofon zu wechseln.

© Frankfurter Rundschau, Kultur, Musik, 19.10.2025

Er bewies, dass ein deutscher Pass kein Makel sein muss.Von Josef Engel (Welt).

Klaus Doldinger war der vermutlich meistgespielte Jazzer der Welt. Was daran liegt, dass der Komponist und Saxofonist 1970 die Titelmelodie für den „Tatort“ schrieb. Er spielte mit Günter Grass. Udo Lindenberg spielte für ihn. Mit seiner Band Passport kam er in die US-Charts. Ein Nachruf.

Die Bedeutung eines Passes lernte Klaus Doldinger schon früh kennen. „Ich bin vom vierten bis zum neunten Lebensjahr in Wien aufgewachsen. Als die Russen 1945 vor der Stadt standen, wurde uns als sogenannten Reichsdeutschen sehr deutlich nahegelegt, dass wir die Stadt doch besser verlassen sollten“, schilderte er einmal in einem Interview eines der prägenden Erlebnisse seiner Kindheit.

© Welt, Kultur, 19.10.2025

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