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„König Ohneland“ Peter Hacks, der letzte Dandy der deutschen Literatur. Von Dagmar Just

Peter Hacks war Gentleman und Genie, Snob und Stalinist, Träumer und Polemiker, Moralist und unwiderstehlicher Frauenkenner. Peter Hacks (21.3.1928-28.8.2003) war der größte Theaterdichter und Lyriker der Deutschen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – nach eigener Aussage. 

Tatsächlich veröffentlichte er in den 50 Jahren seines Künstlerlebens fast jedes Jahr ein neues Bühnenstück. Darunter: Welterfolge, Legenden, verbotene Gegenwartsdramen und Bühnenschmankerl, die jahrzehntelang ihren festen Platz im Repertoire der Theater von Ost und West hatten. Seine Lyrik stand in Schulbüchern. Die Liebesgedichte gehören zu den schönsten der deutschen Sprache. Und sein Testament enthielt Brandraketen. Die öffentlichen Bibliotheken der DDR ehrten das Werk, indem sie es, wie einst das Nietzsches, in ein separates Kabinett verbannten: Zutritt nur für Mitarbeiter. Dieser Dichter, der den Mut hatte, eine Karriere im Westen aufzugeben für einen Traum von einer anderen Welt und an diesem Traum noch festhielt, als alle anderen das sinkende Schiff schon verlassen hatten, war ein Gentleman und ein Genie, ein Snob und Stalinist, ein Träumer und gefürchteter Polemiker, ein poetischer Moralist und unwiderstehlicher Frauenkenner. Höchste Zeit, diesem König ohne Volk und ohne Land ein Denkmal zu setzen – aus Thesen und Tönen.



© Deutschlandfunk Kultur, Literatur, 19.3.2023

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