Konzeptalbum über Hafenstadt Odessa von Vadim Neselovskyi „Klangerinnerungen an besonderen Ort“

Der ukrainische Jazzpianist Vadim Neselovskyi setzt seiner Heimatstadt ein musikalisches Denkmal: „Odesa: A Musical Walk Through a Legendary City“. Von Benjamin Moldenhauer.

Von Klaus Theweleit kommt die schöne Idee, dass Schallplatten nicht nur Töne abspielen, die auf ihnen gespeichert sind, sondern auch die Emotionen von Hörerin und Hörer aufnehmen. Und damit also eine Art Erinnerungsspeicher sind. Musik, die einen berührt, zeichnet beim Abspielen etwas auf, das von da an wieder abrufbar ist. Hört man Musik wieder, die einen in existenziellen Momenten begleitet hat, kann man erneut spüren, was man damals gespürt hat – als verkörperte Erinnerung, nicht als schlichtes Wiederholen.

Der ukrainische Pianist Vadim Neselovskyi spielt auf seinem im Sendesaal Bremen aufgenommenen Album „Odesa: A Musical Walk Through a Legendary City“ eine Musik, die unter anderen von musikalischen Erinnerungen erzählt und diese in die Stücke selbst eingewoben hat. Die Suite für Soloklavier soll die Geschichte der größten Hafenstadt der Ukraine und eines ihrer kulturellen Zentren (seit der Besetzung der Krim der Hauptstützpunkt der ukrainischen Marine) atmosphärisch einfangen.


Vadim Neselovskyi hat eine veritable Wunderkindbiografie: Im Alter von 15 Jahren jüngster Student in der Geschichte der Odessa National Music Academy, mit 18 Jahren kam er als jüdischer Kontingentflüchtling nach Unna und studierte später bei dem ebenfalls in Odessa geborenen Komponisten Boris Bloch an der Folkwang Universität der Künste in Essen.



© TAZ, Kultur, 16.6.2022


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