Kurt Vile erzählt auf dem Album »Watch My Moves« vom Unterwegssein und Touren
Auf seinem neunten Soloalbum gibt sich Kurt Vile dem Folk hin. Er erzählt zwischen Selbstreferenzen und Selbstvergessenheit von den harten Seiten des Lebens – und wirkt dabei so, als könne er diesen problemlos trotzen. Von Maik Bierwirth.
Ein perfekter Soundtrack für den Frühling: Im Schaukelstuhl auf der Veranda oder dem Balkon mit dem wohlverdienten ersten Kaffee sitzend, die Sonne vertreibt die morgendliche Kälte, ein paar Singvögel schauen vorbei und sagen hallo, ob Zilpzalp, Girlitz oder die Mönchsgrasmücke, frisch zurückgekehrt aus dem Süden. Und man sitzt und schaukelt sanft im rocking chair, genau genommen folk-rocking, mit dem neuen Album von Kurt Vile im Ohr: »Watch My Moves« heißt es, der Titel ist auf dem Plattencover kleingeschrieben und in Klammern gesetzt, als ob die unaufdringlichen, der Zeit entrückten Songs darauf sich noch ein Stück weiter zurücknehmen wollten.
Während die Lieder einen tiefenentspannten Eindruck hinterlassen, singt Kurt Vile auf seinem neunten Soloalbum tatsächlich, wie im Titel angedeutet, von bewegten Tagen: vom Unterwegssein, vom Touren, vom Losfahren, vom Heimkommen und vom Reisen. Im ersten Stück »Goin on a Plane Today« beschreibt Vile, minimalistisch und untypisch begleitet von ein paar simplen Klavierakkorden und gelegentlich hinzustoßenden feierlich-verträumten Bläsersätzen, wie er sich auf den Weg zum Flughafen begibt, um als Vorgruppe für sein Idol Neil Young zu spielen.
Kurt Vile: Watch My Moves (Verve Records)
© Jungle World, Dschungel, 19.5.2022