Musiktipps

„Le Jazz pour le jazz“ Gitarristin Mary Halvorson im Porträt von Franziska Buhre

US-Jazzgitarristin Mary Halvorson veröffentlicht mit „Amaryllis/Belladonna“ ein neues Doppelalbum, das ihren Erfindungsreichtum unterstreicht.

Ein Bogenstrich, leicht angeraut und mit Nachdruck auf den Streichersaiten, intoniert eine elegische Melodie, die einem unruhigen Gemüt entspringt oder tonmalerisch den steten Wechsel von Mondlicht und Dunkelheit in einer bewölkten Nacht ausbreitet.

Die gleiche Melodie zupft Mary Halvorson in „Moonbeam“ auf der Gitarre anfangs im Einklang mit den Streichern, graduell wachsen diese zu vier komplementären Stimmen und Halvorson schert allmählich aus, zunächst mit Trillern zwischen den glasklaren Tönen, dann parliert sie selbstversunken, lässt Cluster von Tönen übereinanderstolpern, so erklingen leises Jaulen und Glucksen zugleich.


Die US-Jazzkünstlerin hat dem Mivos-Streichquartett alle Kompositionen geschrieben, zu denen sie sich auf dem Album „Belladonna“ als Improvisatorin in Beziehung setzt. Halvorsons Instrument ist eine Halbresonanzgitarre mit gewölbter Decke – eine Fertigung, die ursprünglich aus dem Geigenbau kommt und das Instrument den Streichern als Schwester anverwandelt.



© TAZ, Kultur, 3.7.2022

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