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„Mein Herz ist leer“ Hörspiel von Werner Fritsch. Fei nach Haikus von Taneda Santōka

Ein Meister des Haikus ist ein „Dichter des Gehörs“, er lebt „in der Welt der Klänge“. Das schrieb der japanische Wanderdichter Taneda Santōka (1882–1940) über sein Metier, das die traditionelle kurze japanische Versform in die Moderne übertrug. Seine Haikus erzählen vom Brüllen der Brandung, vom harschen Klang des Brettspiels, vom Stimmengewirr in der Gaststube, der Stille der Berge.

 

Werner Fritsch dichtete Santōkas Haikus nach, ordnete sie zu einem Zyklus und verzahnte musikalisch den Klang der Rezitation mit den inneren Hörbildern der Verse.

Die Jury des Kriegsblindenpreises von 2017 hatte das Stück in die Shortlist der drei besten Produktionen des Jahres gewählt. Aus der Begründung:

„In seiner Bewegung zwischen Stille und Laut, zwischen Geräusch, Bild und Gedanke ist Werner Fritschs Hörstück atemberaubend raumgreifend. Alles an diesem Klanggebilde wirkt unmittelbar, direkt und klar. Vor allem: unpathetisch. Gerade darum spricht es uns an in seiner polyphon dichten Sinnlichkeit, die im Zusammenspiel mit den Field Recordings und der Komposition Miki Yuis eine zupackende Körperlichkeit entfaltet.“

 

„Mein Herz ist leer“ Hörspiel von Werner Fritsch. Fei nach Haikus von Taneda Santōka

Mit: Michael Altmann und Kae Uchihashi
Musik: Miki Yui
Regie: Werner Fritsch
(Produktion DLR/RB 2016)

Werner Fritsch, geboren 1960 in der Oberpfalz, lebt als Schriftsteller, Dramatiker, Filmemacher und Hörspielautor in Hendelmühle und Berlin. Für seine Radioarbeiten wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden 2002, dem Hörspiel des Jahres der Akademie der Darstellenden Künste 2007 und 2013 mit dem Grand Prix Marulic.

© SWR 2, Hörspiel, 19.10.2017

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