„Mensch ohne Gott“ Eine Lange Nacht über Atheismus
Von Rolf Cantzen (DLF). Ohne Gott denken, ohne Gott leben – geht das? Stimmen aus Philosophie, Theologie und Literatur beleuchten historische und aktuelle Formen der Religionskritik. Im Zentrum stehen Fragen nach Moral, Sinn und der Rolle des Glaubens.
Gibt es einen Gott – und, wenn ja, was sagt das über unsere Welt aus? Zweifel an der Existenz eines gütigen, allmächtigen Gottes reichen weit zurück: Die Gnostiker der Antike sahen in der Schöpfung nicht das Werk eines weisen Schöpfers, sondern eines fehlerhaften – oder bösen – Gottes. Radikal-Aufklärer des 17. Jahrhunderts entlarvten den Gottesglauben als Instrument weltlicher Herrschaft. Für Ludwig Feuerbach war die Gottesliebe eine fehlgeleitete Menschenliebe. Sigmund Freud ging noch weiter: Der Glaube sei ein kindlicher Reflex, den der reife Mensch ablegen müsse. Kann man moralisch handeln ohne göttliche Instanz? Was bleibt von Ethik ohne ein Jenseits? Sind alles diese Fragen falsch gestellt, wie Eugen Drewermann meint? Was treibt religiösen Glauben in einer zunehmend säkularen Gesellschaft immer wieder an die Oberfläche? Literarische Figuren – wie Dostojewskis zerrissene Helden – und moderne Theologen, die selbst eine individuelle Weiterexistenz nach dem Tod für unwahrscheinlich halten, begleiten diese „lange Nacht“ voller Fragen, Zweifel, Ideen und unbefriedigender Antworten.
Mensch ohne Gott
Eine Lange Nacht über Atheismus
Von Rolf Cantzen
Regie: Philippe Brühl
© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 31.1.2026