Mit den Saiten singen: Zum Tod des Gitarristen Ralph Towner
Von Gregor Dotzauer (Tagesspiegel). Sowohl auf der klassischen Gitarre wie auf der Twelve String revolutionierte er das akustische Spiel im Jazz. Nun ist Ralph Towner, ein Mann mit hoher Versenkungsgabe, im Alter von 85 Jahren gestorben.
Er hatte sich für das Klavier entschieden, ohne zu ahnen, dass die Gitarre ihn wählen würde. Die taktile Nähe des Instruments bei gleichzeitiger Reduktion der harmonischen Möglichkeiten und die verwirrende Anordnung der Töne auf dem Griffbrett, denen jede Lage eine andere Färbung verleiht – all das forderte Ralph Towner zu einer Sinnlichkeit heraus, die das Tasteninstrument ihm verweigerte. Während er als Pianist gediegenes Mittelmaß blieb, revolutionierte er die klassische Gitarre im Jazz – und die zwölfsaitige gleich mit dazu.
© Tagesspiegel, Kultur, Musik, 19.1.2026