Neue Musik in der DDR – ein Rückblick „Avantgarde unter anderen Voraussetzungen“
Von Florian Neuner. 30 Jahre nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland stellt sich die Frage, welche Rolle im Osten sozialisierte Komponisten heute spielen und inwieweit man von einer spezifischen Tradition und Ästhetik sprechen kann.
Die Doktrin des sozialistischen Realismus hatte längst schon keine Geltung mehr. In den Honecker-Jahren stand die zeitgenössische Musik in der DDR längst nicht unter so scharfer Beobachtung wie die Literatur. Vieles wurde möglich – eine andere Avantgarde entwickelte sich.
Das Zentrum der neuen Musik in der DDR war Leipzig. Dort dirigierte Herbert Kegel mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Programme, die auch Musik, die einige Jahre zuvor noch als Formalismus oder westliche Dekadenz beargwöhnt worden war – etwa die Schönberg-Schule – nicht ausschloss. Und in der Messestadt wurde auch die Gruppe Neue Musik „Hanns Eisler“ gegründet, die als Spezialensemble für neue Musik bald international konzertierte. Komponisten wie Paul-Heinz Dittrich, Friedrich Goldmann oder Friedrich Schenker wurden im Westen aufgeführt und konnten auch reisen.
© Deutschlandfunk Kultur, Neue Musik, 26.8.2025