Neues Album von Dälek und Charles Hayward „Die sehr ähnliche Kälte des Sounds“
Ein Musiktipp von Benjamin Moldenhauer (TAZ). Der experimentelle HipHop von Dälek kratzte immer schon am Postpunk. Wie auch der britische Drummer Charles Hayward, mit dem der US-Act jetzt ein Album rausbringt.
Schönheit kann entstehen, wenn man Dinge, die eigentlich in unterschiedlichen Universen zu leben scheinen, mischt und etwas Drittes entsteht. Will Brooks aka MC Dälek hat zusammen mit dem britischen Postpunk-Impro-Drummer Charles Hayward das Album „Hayward x Dälek“ aufgenommen. Und die erste Frage, die einem diese unerwartete Konstellation stellt, ist, warum man das eigentlich als so unwahrscheinlich wahrnimmt. Wohl, weil man Genres nach wie vor auch nach Hautfarben sortiert und verortet. Und da ist dann HipHop eben Schwarz, und das ganze Postpunk-Universum tendenziell eher weiß.
Dann in diesem speziellen Fall wohl auch, weil die Musik, die Charles Hayward seit Beginn seines Schaffens als Schlagzeuger, Sänger und heute auch Pianist in Progrockgruppen wie Gong oder Quiet Sun aufgenommen hat, zu den letzten gehört, zu der man sich gerappten Sprechgesang vorstellen kann. Mit seinem Trio This Heat, das damals, weil es keine passende Schublade gab, unter Postpunk geführt wurde, nahm Hayward in den Jahren 1976 bis 1982 zwei Alben und eine EP auf.
Zeitlose Musik im strengen Sinne: Es gab davor und auch danach nichts mehr, das so klang. Schwer beschreibbare Musik von Autodidakten, die keine Vorgänger und keine Epigonen hatten. Das Online-Musikmagazin Pitchfork kam einer adäquaten Beschreibung des Sounds von This Heat noch am nächsten und hörte eine „herbe“ und „kalte“ Mischung „aus Tape-Loops, gleißend schneidender Blechgitarren-Textur, Krautrock-inspiriertem Groove und improvisiertem Noise“.
© TAZ, Kultur, Musik, 30.4.2026