NZZ: „Harte Riffs, raue Stimme, volle Ladung Testosteron“ Das war einmal. In der Rockmusik machen die Männer den Abgang

Man hat sich zwar über die Jahrzehnte an die Männerdominanz gewöhnt. Unterdessen scheint in der Rockmusik aber eine Wachablösung stattzufinden. Selbstbewusste Musikerinnen machen sich den Indie-Rock zu eigen. Von Ueli Bernays.

Was ist los mit dem Rock’n’Roll? Wo bleiben eigentlich die jungen Musiker? Männer seien unersetzlich, hat Herbert Grönemeyer in einem berühmten Lied gesungen. Für den Rock aber, den Independent Rock zumal, gilt das offenbar immer weniger.

In den letzten Jahren haben Künstlerinnen wie Anna Calvi, Courtney Barnett und Adrianne Lenker (Big Thief) international den Ton angegeben in diesem maskulin geprägten Genre. Ähnlich profitiert der Schweizer Rock in jüngerer Zeit von einer Sophie Hunger, einer Evelinn Trouble oder einer Janine Cathrein. Und wenn man nun die Jahresbestenlisten 2021 von Zeitschriften wie «The Rolling Stone» und Onlineplattformen wie «Pitchfork» gelesen hat, bekommt man zuweilen den Eindruck, dass eine feminine Wachablösung im Gang ist.



Fast könnte man meinen, die Männer zögen sich aus der gegenwärtigen Szene zurück wie einst die Schweizer aus Marignano. Dabei hat sich das stolze Geschlecht doch lange muskulös und erfolgreich zum Ausdruck zu bringen vermocht in diesem Genre. Die Tradition ist vollgepackt mit mythischen und heroischen Idolen. Altstars und lebende Legenden aber ruhen sich auf ihren vergoldeten Repertoires aus, während ein paar junge, wilde Rockmusiker heute von der Übermacht rappender Maulhelden aus den Mainstream-Charts in Nischen und Subkulturen gedrängt werden.




© NZZ, Feuilleton, 10.1.2022

4 Comments

  1. ich bin sooo verliebt in anna calvi, seit sie bei „one shot not“ (wow, das war 2011) auftrat, hochgeschlossen, kühl … und dann die kamera backstage eine unfassbar süße blondine einfing. großartige frau, wunderbar auch als bowie-epigonin bei diesem arte-tribute konzert. ich bin hin und weg.

    courtney barnett ist so cool, aber alles in allem: die männer werden jetzt nicht unbedingt verschwinden und coole frauen gibt es spätestens seit patti smith mit „horses“ und eigentlich ist derartikel ein bißchen ignorant und ein schlag ins gesicht all der tollen frauen, die schon immer rock machten in den letzten 40 jahren. im grunde so ignorant wie die „genies an drums“ beim deutschlandfunk letzte woche.

    hardy
  2. Also, im Gegensatz zu mir, bist du ja voll im Stoff. 😉 Was meinst du mit: im grunde so ignorant wie die „genies an drums“ beim deutschlandfunk letzte woche.

    portfuzzle
    1. bitte mal bei deutschlandradio kulur „genies am schlagzeug“ suchen – ich will mir nicht die arbeit machen, den mist jetzt auch noch einzeln zu verlinken

      Genies am Schlagzeug (1/5): Sheila E.
      Genies am Schlagzeug (2/5): Viola Clara Smith
      Genies am Schlagzeug (3/5): Phil Rudd von AC/DC
      Genies am Schlagzeug (4/5): Stewart Copeland
      Genies am Schlagzeug (5/5): Makaya McCraven

      ich glaube, das „geniale“ war da, daß der/die autorIn die einfachheit versteht. mir fielen da spontan eine fantastilliarde schlagzeuger ein, die genial sind, die da sind (na gut makaya mcCraven oder viola clarasmith gehen klar) eher banal.

      die sollten sowas lieber klaus walter machen lassen, der weiss wenigstens, wovon er redet – und nicht irgendwelche azubis ohne den nötigen horizont

      > voll im Stoff

      aber klar doch, ich komme ja aus dem bereich rock und habe meine ersten schritte mit john mayall gemacht, als der noch als könig des weissen blues galt und plötzlich dieser jimi hendrix auftauchte 😉

      hat der kerl noch nie von den „riot grrrls“ gehört? der artikelist eine beleidigung für all die rockerinnen der letzten … hmmmm … 40 jahre. das, was jetzt ist, kommt ja nicht aus dem nichts. ignorance is bliss.

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