NZZ: John Scofield „Wenn er ein Solo spielt, porträtiert er sich selbst“

Bei ihm wirkt alles Schwierige griffig und leicht. Der Gitarrist John Scofield verquickt mit seinem Stil Jazz mit Rock, Blues und Country. Im Alter von 70 Jahren hat er erstmals ein Soloalbum aufgenommen. Von Florian Bissig.

Er begann seine Karriere als Sideman von Jazz-Legenden wie Chet Baker, Charles Mingus und Lee Konitz. Er wirkte massgeblich an Miles Davis’ Comeback in den 1980er Jahren mit. Und er gilt seither nicht nur als wegweisender Stilist im Schnittfeld von Jazz und Rock. John Scofield ist einer der wenigen Stars im Jazz.

Dabei spielte er nie besonders schnell, besonders laut oder virtuos. Er wusste sich immer schon zurückzunehmen, um den eigenen Klängen und dem Spiel der Mitmusiker genügend Raum zu geben. John Scofield aber hat ein untrügliches Gespür für ebenso griffige wie originelle Motive. Und indem er sich auch gegenüber populären Stilen wie Blues, Rock, Funk, Gospel oder Country öffnet, lässt er den Groove nie zu kurz kommen.



Ob John Scofield Bebop oder Country spielt, man kennt ihn augenblicklich. Wie hat er seine prägnante Spielweise entwickelt? «Meine technischen Grenzen haben mir den Stil vorgegeben», meint er lakonisch und bescheiden. Das ist aber höchstens Teil der Wahrheit. Tatsächlich hat es John Scofield nie darauf angelegt, mit Virtuosität aufzutrumpfen. Dafür hat er sich in der Tugend der Reduktion geübt und die Qualität seines Tons und seiner Phrasen immer weiter verfeinert.

Durch das Solospiel mit Loop-Gerät ist Scofields Repertoire an Formationen nun zwar um eine Variante reicher. Aber er beschränkt sich nicht darauf. Nach der Europa-Tournee im Trio wird er mit dem Jazz-Rock-Ensemble Yankee Go Home weitere Konzerte in den USA geben und ins Studio gehen für ein neues Album. Erst danach startet er eine Solo-Tournee.



© NZZ, Feuilleton, 10.5.2022


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