Pop-Anthologie (201): Ein Text wie aus dem Maschinengewehr
Von Philipp Krohn (FAZ). Das erste Album von King Crimson war der Auftakt einer neuen musikalischen Bewegung. Der Song „21st Century Schizoid Man“ setzte die Regeln. Was wollte der vor kurzem gestorbene Texter Peter Sinfield damit ausdrücken?
In nur wenigen Jahren hat die britische Popmusik in den Sechzigern riesige Schritte gemacht: Von den naiven Nachahmungen afroamerikanischer Rhythm-’n’-Blues-Musiker durch Beatles und Rolling Stones bis zu den elaborierten Werken der Zeit ab 1966 haben die Pioniere vor allem in London viele Stile ausprobiert, die immer noch Einfluss haben, ein Bühnengebaren entwickelt, das bis heute verstanden wird, und ikonische Aufnahmen produziert, die den Grundstein des Popkanons legten.
Kaum vorstellbar, dass eine Aufnahme wie „In The Court Of The Crimson King“ von King Crimson schon in den frühen Sechzigerjahren aufgenommen worden wäre. Harmonik, Stilistik, Phrasierung von Gesang und Soloinstrumenten – all das setzte mehrere Zwischenschritte voraus: Beatles-Experimente wie den Song „I Am The Walrus“, den elektronischen interstellaren Overdrive von Pink Floyd und Soft Machine, die Erweiterung der musikalischen und lyrischen Textpalette durch Procol Harum und die extravagante Einverleibung klassischer Musik durch The Nice etwa.
© FAZ Feuilleton, 19.12.2024