Prestomusic Jazz Release Tipp: Julia Hülsmann Octet – While I Was Away / ECM
Von Maddy Allison. Hülsmann, die vor allem für ihre exzellenten und vielgelobten Quartett-Aufnahmen wie Not Far From Here (2019), The Next Door (2022) und Under The Surface (2025) aus dem letzten Jahr bekannt ist, kehrt mit While I Was Away zurück – und diesmal ist ihr Ensemble doppelt so groß.
Das Album, das den Quartett-Sound gegen einen Oktett-Sound eintauscht, vereint die Klänge eines klassischen Streichtrios (Héloïse Lefebvre an der Violine, Susanne Paul am Cello), eines Jazz-Trios (Hülsmann am Klavier, Eva Kruse am Kontrabass, Eva Klesse am Schlagzeug) und dreier Sängerinnen und Sänger (Aline Frazão, Live Maria Roggen, Michael Schiefel). Insgesamt ist es ein faszinierendes Projekt, das sich als Erkundung des Kammerjazz und darüber hinaus versteht: Es umfasst alles von melodischen Originalen über brasilianischen Tanz bis hin zur Avantgarde.
Im Eröffnungsstück „Coisário De Imagens” präsentiert Lefebvre ein eindringliches, beschwingtes Ostinato über einem lebhaften Baião-Groove, und Klesses Pizzicato-Bass bildet den perfekten Kontrapunkt. Die angolanische Sängerin Aline Frazão setzt sanft über dem sprudelnden Groove ein und gleicht die beunruhigende Tonalität mit der Leichtigkeit ihres Tons aus. Paul spielt später im Stück ein mitreißendes Cello-Solo, auf das Hülsmann selbst schnell folgt. „Sleep” verwendet die Poesie von Emily Dickinson und lässt die Sängerin Frazão über der einfachen und beruhigenden Begleitung des Ensembles schweben, während Kruse in der Mitte einige makellose und flinke Bassläufe spielt – sicherlich ein Höhepunkt des Stücks.
© Prestomusic, Recording of the Week, 30.1.2026