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Prestomusic Jazz Release Tipp: Julian Lage – Scenes From Above / Blue Note

Von Dan Spirrett. Auf Julian Lages „Scenes from Above“, seinem fünften Album bei Blue Note, leitet der amerikanische Gitarrist ein kreatives Quartett, bestehend aus John Medeski am Keyboard, Jorge Roeder am Bass und Kenny Wollesen am Schlagzeug.

Der Gitarrist hat sich von seinen virtuosen Auftritten in kleinen Gruppen entfernt und sich einem räumlicheren, kompositionsorientierten Ansatz zugewandt, und dieses Album treibt diese Entwicklung noch weiter voran. Die vier Musiker erkunden Themen durch offene Improvisationen und formbare Grooves, und ihr Dialog bietet reichlich Anregungen für das Ohr.

Scenes From Above stellt einen weiteren Schritt in Julian Lages raffinierter Entwicklung dar, indem er einfache Songkunst in einen Jazzquartett-Sound einfließen lässt, der Country, Blues und Jazz in seinen Kompositionen verbindet. Das Album treibt die Melodie als Kernstück voran, um ein Werk ohne definierten Endpunkt zu schaffen. Es strahlt eine ruhige Zuversicht aus, die geduldige Zuhörer belohnt, und die Chemie des Quartetts verleiht der Platte eine warme Qualität – insbesondere „Night Shade“ verkörpert das Ziel des Bandleaders und zeigt, dass nicht alle Alben schwere Improvisationen benötigen, um unterhaltsam zu sein.


Scenes From Above
– Julian Lage

r gebürtige Kalifornier Lage begann im Alter von etwa fünf Jahren mit dem Gitarrenspiel und zeigte schon bald sein außergewöhnliches Talent. In seinen frühen Jahren verband er intensive Berufserfahrung mit einem formalen Studium an Institutionen wie dem San Francisco Conservatory of Music und Berklee. Als Bandleader hat er vielbeachtete Alben veröffentlicht, darunter das für den Grammy nominierte „Sounding Point“ (2009), „Arclight“ (2016), „Squint“ (2021) und „View with a Room“ (2022), die ihn als einen der markantesten Vertreter des modernen Jazzgitarrenspiels etabliert haben. Lage erklärt, dass die neun Stücke des Albums aus einer konzentrierten Schreibphase entstanden sind, die er vor einem SFJAZZ-Aufenthalt absolvierte, bei dem die Band zum ersten Mal gemeinsam live auftrat. Er machte sich daran, einen Song zu schreiben, ihn einmal aufzunehmen und dann sofort weiterzumachen, wobei er sich an einen 20-Minuten-Timer hielt. Der Fokus lag darauf, sich die Stärken jedes Musikers vorzustellen und zu überlegen, wie sie miteinander interagieren könnten. Die Kompositionen dienten als Sprungbrett, „um etwas zu haben, worüber wir reden können, wenn wir zusammen sind“, anstatt das geschriebene Material als endgültigen Endpunkt zu betrachten.
Schon beim Opener „Opal“ wird die Richtung klar: Die Melodie und der Dialog innerhalb der Gruppe stehen im Vordergrund. Lages klarer und warmer Gitarrenton liefert die luftige Melodie, während Medeskis subtile Orgel seine Linien umhüllt. Der Track hat am Anfang und am Ende einen leicht abstrakten Klang, vermittelt aber insgesamt einen lockeren Country-Einfluss. Roeders Einfluss ist in „Red Elm“ durch seine treibende Basslinie stärker zu hören, eine geradlinige Swing-Komposition, die fließend zwischen den Abschnitten wechselt und es den Solisten ermöglicht, mit kontrastierenden Formen und Farben zu experimentieren.

Ein einzigartiger Aspekt von „Scenes from Above“ ist die demonstrative Bandbreite von Lages kompositorischer Palette, wobei „Talking Drum“ die Gruppe in ein funk- und bluesorientiertes Stück treibt. Wollesens Groove brodelt leise unter einem Großteil des Tracks und lässt die vielschichtigen Orgelklänge bei jeder sich bietenden Gelegenheit durchscheinen. Ein lyrisches Solo von Medeski, das die ganze Vielseitigkeit des Instruments zeigt, weicht einem entschlossenen Ausflug des Bandleaders. „Night Shade“ ist genau das, wonach es klingt: eine langsam brennende Ballade, die den Musikern neue Türen öffnet, die alle der Situation gewachsen zu sein scheinen. Wieder einmal glänzt die Orgel mit schimmernder Hoffnung unter den sehnsüchtigen Phrasen der Melodie. Im Verlauf des Stücks steigern sich die Musiker gemeinsam zu einem Höhepunkt, wobei jeder Teil mit voller Stimme langsam zum Ende hin ausklingt.
Eine fesselnde Dreiteilung am Ende des Albums, die verschiedene Facetten des Charakters der Band offenbart, beginnt mit „Solid Air“. Eine wirbelnde, kaskadenartige Einleitung mündet in ein rubato, ein sanftes Zusammenspiel von Melodien, wobei das wiederkehrende Thema aus der Einleitung sporadisch wiederkehrt. „Ocala“ wechselt zu einem twangigen und leicht experimentellen Klang, der immer noch Orgelklänge und Akustikgitarre enthält und eine warme, aber subtil ungewöhnliche Textur erzeugt. Roeders selbstbewusster Bass reitet auf einem entspannten, countryartigen Groove gegen leicht swingende Drums. „Storyville“ öffnet sich dann zu einem freieren, mehrdeutigen Raum – locker, instinktiv und durchdrungen von dem sanften Glanz, der einen Großteil von Lages Spiel auszeichnet. In der Mitte des Stücks mündet die Musik schließlich in einen chaotischeren Raum, in dessen Zentrum der hartnäckige Bass steht, angefeuert von einem lockeren Wollensen. Das Album schließt mit „Something More“, das Genres von Jazz über Pop bis Country kreuzt und sich auf das Zusammenspiel der vier Mitglieder konzentriert. Lücken zwischen Melodie und Solo werden durchdacht gefüllt und nicht erzwungen, wie es manchmal bei balladenartigen Kompositionen der Fall sein kann. © Texte: Dan Spirrett

© Prestomusic, Recording of the Week, 23.1.2026

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