The Free Jazz Collective – Release Tipp: Peter Evans, Being & Becoming – Ars Ludicra / More is More
Ebenso wie ich ist Charlie Watkins von Peter Evans‘ „Being & Becoming” begeistert. Bei mir schaffte es dieses Release unter die Top 2025! Umso mehr freue ich mich, dass ich diese Begeisterung an euch weitergeben kann. 32 Minuten pure Energie!
Peter Evans ist einer dieser unermüdlichen Musiker, deren Projekte immer wieder durch ihre originelle Kreativität bestechen. Seine Band Being and Becoming bildet da keine Ausnahme, und ihr neuestes Album Ars Ludicra ist ein fantastisches Beispiel für Evans‘ kreativen Ehrgeiz. Mit einer Kombination aus Hip-Hop-Grooves, avantgardistischen Melodien und freier Improvisation sowie einer gesunden Dosis Elektronik ist dieses Album lebendig, modern und mitreißend groovig. Es ist auch erwähnenswert, dass sie sich deutlich von ihrem vorherigen Album Ars Memoria unterscheidet, das im Vergleich zur kühnen Energie dieses Albums viel zurückhaltender war.
Die Band besteht aus Evans an der Trompete, Elektronik und Klavier, Joel Ross am Vibraphon, Synthesizer und Percussion, Nick Jozwiak am Bass und Synthesizer und Michael Shekwoaga Ode am Schlagzeug. Das oben Gesagte könnte vermuten lassen, dass es sich um ein stark elektronisch geprägtes Album handelt, aber die Elektronik wird hauptsächlich für ihre klanglichen Qualitäten eingesetzt. Es gibt einige einfallsreiche Nachbearbeitungen, insbesondere gegen Ende von „Pulsar“, die wirklich gut gemacht sind und dieses Album auf ein ganz neues Niveau heben, was einen Fortschritt gegenüber ihrem vorherigen Album darstellt, das in seiner Herangehensweise vielleicht eher geradlinig „jazzig“ war.
Alle Titel sind relativ kurz und temporeich, was dem Album eine gute Richtung gibt; es fühlt sich keineswegs so an, als würde es sich zu sehr in die Länge ziehen. Jeder Titel folgt einer fast identischen Struktur, beginnend mit einem treibenden Riff, übergehend in abstrakte, energiegeladene Soli und endend mit einem Breakdown im Dance-Stil am Ende, was die Maxime bestätigt: Was funktioniert, soll man nicht ändern! Die geradlinige Struktur sorgt für einen guten Fluss und bietet auch bei diesen kurzen Tracks viel Abwechslung. Der Einsatz von Bass und Schlagzeug verbindet erfolgreich zeitgenössischen Jazz mit experimentellem Hip-Hop und bietet Ross und Evans einen spannenden Raum, in dem sie arbeiten können, der vor ansteckender Energie pulsiert, ohne in Klischees zu verfallen. Auf jeden Fall hörenswert.
© The Free Jazz Collective, 24.1.2026