Radiophone Bildbeschreibung: Der Mann hinterm Sofa
Von Stefan Fricke (DLK). Man nannte ihn auch „Mister Feedback“, den Komponisten und Bratschisten Johannes Fritsch (1941 – 2010).
Seit 1971 unterhielt er in einem Hinterhaus im Belgischen Viertel von Köln ein Studio für elektronische Musik (das Feedback Studio), einen Verlag (den Feedback Studio Verlag) für Partituren und eine Zeitschrift (die Feedback Papers). Überdies veranstaltete er, der bei Bernd Alois Zimmermann studiert hatte und viele Jahre die Viola im Stockhausen-Ensemble spielte, hier „Hinterhausmusiken“: Konzerte mit Jazz, aktuellen Kompositionen und Musik aus Japan und Indien. Als Dozent lehrte er an der Rheinischen Musikschule Köln, an der Akademie für Tonkunst sowie von 1984 bis 2006 als Kompositionsprofessor an der Kölner Musikhochschule. Zudem engagierte er sich fast 25 Jahre lang im Vorstand des Darmstädter Instituts für Neue Musik und Musikerziehung, veranstaltete im ostwestfälischen Vlotho vier „Weltmusik-Kongresse“, veröffentlichte ein Buch über „Straßenmusik in Köln“. Und natürlich komponierte er auch: über 100 Werke, darunter Tonbandkompositionen und Radiostücke, Orchesterstücke, Environments, die Oper „Aschenbrödel“, etliche Ballette, vieles für Bühne und Film und reichlich Kammermusik für rare Besetzungen wie Trumscheit, zwei Basstuben oder eine Uhr. Als Bratscher in eigener Sache war Fritsch, der irgendwann die Viola d’amore für sich entdeckte, rege unterwegs. Sein live-elektronisches Improvisationskompositions-Solo „Violectra“ spielte er ungezählte Male.
© Deutschlandfunk Kultur, Neue Musik, 14.4.2026