Radiotipps für den 13.1.2026
Die Radiotipps in der Übersicht für alle Kultursender des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ByteFM sowie des Ö1.
00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Neue Musik
„Klängen verdanke ich mein Dasein“ Morton Feldman zum 100. Geburtstag. Von Egbert Hiller
„Leinwände der Zeit“ nannte Morton Feldman seine Kompositionen. Jenseits von Expressivität und Rhetorik fasste er Klänge als ureigene Wesen auf – und verknüpfte sie zu einer Musik der magischen Klangzustände.
Vor 100 Jahren wurde Morton Feldman in New York geboren. Zusammen mit John Cage, Earle Brown und Christian Wolff wird er zur New York School gerechnet, die sich in den 1950er/60er-Jahren von der europäischen Avantgarde und deren Konzentration auf strenge Formen und vorgeprägte Strukturen abwandte. Sie begründete eine eigene Tradition und strahlte ihrerseits stark auf Europa aus. Inspirieren ließ sich Feldman auch von der Bildenden Kunst, zumal von Malern des Abstrakten Expressionismus: Philip Guston, Mark Rothko oder Franz Kline. In Anlehnung an Kline definierte Feldman den Klangraum durch das „Schwarz“ der Töne und das „Weiß“ der Stille, der Abwesenheit von Tönen. Statt zu komponieren, schwebte ihm vor, „Klänge in die Zeit zu projizieren“.
19:00 Uhr HR 2 Hörbar
Feinster Afro-Jazz mit Trio Ivoire & mehr Musik grenzenlos
Seit 1999 gibt es das Trio Ivoire mit dem deutschen Pianisten Hans Lüdemann, dem ivorischen Balafon-Spieler Aly Keïta und immer mal wechselnden Schlagzeugern – seit 2013 ist es Christian Thomé.
19:15 Uhr Deutschlandfunk Feature
„Sanktioniert“ Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen
Von Lea Fauth Regie: Philippe Brühl. Deutschlandfunk 2025
Beatrice K. arbeitet als Aufstockerin im Museum. Als sie ihren Job verliert, wird sie vom Jobcenter in eine Maßnahme vermittelt, die nicht zu ihrem Profil passt. Weil sie ein paar Mal fehlt, folgt Sanktion auf Sanktion. Daran geht sie fast zugrunde.
Härtere Sanktionen, Abschaffung des Bürgergelds: Im aktuellen Wahlkampf wird gegen Arbeitslose gewettert. Ausgeblendet werden die menschlichen Schicksale dahinter. Wie fühlt es sich an, wenn die Gerichtsvollzieherin vor der Tür steht, um einem das Gas abzustellen?
Was Beatrice K. vor ein paar Jahren erlebt hat, dürfte heute eigentlich nicht mehr möglich sein, denn das Verfassungsgericht hat Komplettsanktionierungen verboten. Doch 2023 führt die Ampelregierung sie in abgeschwächter Form wieder ein. CDU, FDP und AfD reicht selbst das nicht. Doch auch Grüne und SPD fordern faktisch mehr Härte gegen sogenannte „Totalverweigerer“. – Aber gibt es diese überhaupt?
Sanktioniert.
19:30 Uhr Ö1 Konzert
Vier Hände: Argerich & Montero
Martha Argerich und Gabriela Montero, Klavier. Wolfgang Amadeus Mozart: Sonate für Klavier zu vier Händen D-Dur KV 381; Franz Schubert: Fantasie f-Moll für Klavier zu vier Händen D 940; Robert Schumann: Andante und Variationen für zwei Klaviere in B-Dur op. 46; Sergej Rachmaninow: Suite Nr. 2 op. 17 (aufgenommen am 29. November 2024 in der Calouste Gulbenkian Foundation in Lissabon)
19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur Zeitfragen. Feature
„Desinformation und Demokratie“ Das Ende der Faktenchecks? Von Anna Loll
Ein Jahr nach Metas Abschied vom Faktencheck: Was bewirken Community Notes, was leisten Profis – und was bedeutet das für den Kampf gegen Desinformation?
20:00 Uhr Deutschlandfunk Kultur Konzert
„Raderbergkonzert“ Live aus dem Deutschlandfunk Kammermusiksaal Köln
Schlagzeugensemble TrioColores:
Matthias Kessler
Luca Staffelbach
Fabian Ziegler
Das Schweizer Schlagzeugensemble TrioColores aus Zürich lässt mit einem weit gespannten Repertoire aufhorchen. Arrangements klassischer Werke gehören ebenso dazu wie neuere Originalkompositionen und Uraufführungen. Eine ganze Reihe renommierter Wettbewerbe konnten die drei jungen Musiker gewinnen, zahlreiche Tourneen führten sie nach Südkorea, in die USA und durch Europa. Ihre Debüt-CD wurde 2024 mit dem Opus Klassik ausgezeichnet.
20:05 Uhr Deutschlandfunk Hörspiel
Die Entflohene (2/4) Gilberte
Nach dem Roman „La Fugitive“ von Marcel Proust
Aus dem Französischen übersetzt von Bernd-Jürgen Fischer
Hörspielbearbeitung Wort: Manfred Hess und Hermann Kretzschmar
Regie: Ulrich Lampen
Komposition: Hermann Kretzschmar
Musik: Pablo Druker und Ensemble Modern
Ton und Technik: Christian Bader, Christian Eickhoff, Tanja Hiesch, Philipp Knop, Alexander Kolb, Mike Wayszack, Christoph Claßen
Dramaturgie: Manfred Hess Mitwirkung: Uta Felten SWR/Deutschlandfunk 2022
Marcels Verhältnis zur lebenslustigen Albertine ist von Eifersucht geprägt. Eine Geschichte von Liebe und Verlust vor dem Hintergrund des exklusiven Pariser Milieus in der Belle Époque.
Wer Zugang in die Welt von Marcel Prousts siebenbändigem Romanzyklus „À la recherche du temps perdu“ finden will, der kann an beliebiger Stelle beginnen, zum Beispiel mit dem 6. Buch: „Die Entflohene“, posthum erschienen, spielt in der hochadeligen, vermögenden Pariser Gesellschaft um 1910 und umkreist das gesellschaftliche Maskenspiel homo- wie heterosexuellen Begehrens. Im Zentrum steht Marcel, der ein von Eifersucht geprägtes Liebesverhältnis mit der lebensfrohen Albertine hat. Als Albertine ihn verlässt und überraschend nach einem Reitunfall stirbt, gerät Marcels Welt ins Wanken. Und dann trifft er mit Gilberte Swann seine Liebe aus Jugendzeiten wieder …
21:00 Uhr SWR Kultur JetztMusik
Das Prinzip – Claus Boesser-Ferrari, Joss Turnbull & Mia Ferrari beim Festival Enjoy Jazz
Von Julia Neupert
Der Roman „Das Prinzip“ von Jérôme Ferrari über den Physiker Werner Heisenberg war Inspiration für dieses Projekt von Gitarrist Claus Boesser-Ferrari, Perkussionist Joss Turnbull und Filmerin Mia Ferrari. In ihrer musikalisch-visuellen Versuchsanordnung verarbeiten sie konkrete Textpassagen, nehmen aber bei ihrer Performance in der Alten Feuerwache Mannheim auch die berühmte Heisenbergsche Unschärferelation zum Ausgangspunkt für eine gemeinsame Reflektion über unseren Umgang mit dem Unbestimmten und Ungewissen.
21:00 Uhr NDRKultur Neue Musik
Kein „High“ und „Low“ – Die Komponistin Olga Neuwirth. Von Franziska von Busse
Ihre Musik werde „in einer Welt voller Chaos und Destabilisierung durch verschiedene Frequenzen des Äthers schnauben, keuchen und wimmern“ – das sagt die Komponistin Olga Neuwirth über ihre neue Oper „Monster‘s Paradise“, die am 1. Februar 2026 an der Staatsoper Hamburg uraufgeführt wird. Nach „Bählamms Fest“ und „Lost Highway“ ist es erneut ein Musiktheater-Projekt in Zusammenarbeit mit der Literaturnobelpreisträgerin Elfride Jelinek. Neuwirth ist bekannt für ihre Stilvielfalt, war schon in den 1990ern eine Pionierin der audiovisuellen Komposition und gestaltet oft Genre-übergreifende Projekte, in denen auch Literatur, bildende Kunst, Film, Performance und Alltagskultur zentral sind. „Zwischen ‚High‘ und ‚Low‘ habe ich nie unterschieden“, sagt Neuwirth. „Ich bin mit menschlich-sozialer und künstlerischer Vielfalt aufgewachsen“. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2022 mit dem Ernst von Siemens-Musikpreis. Ein Porträt.
21:00 Uhr radio 3 Neue Musik
Ultraschall Berlin – Festival Für Neue Musik 2026: Die Vorschau
Mit Andreas Göbel
21:00 Uhr HR 2 JetztMusik
„The Viola in My Life“ Morton Feldman zum 100. Geburtstag
„Man muss durch Klangsinnlichkeit zeigen, dass diese Musik trägt“ sagt Christian Dierstein, Schlagzeuger des Ensembles „Recherche“.
21:05 Uhr Deutschlandfunk Jazz Live
Zwei ist keiner zuviel „Reinier Baas & Ben van Gelder“
Am Mikrofon: Anja Buchmann
Aufnahme vom 3.9.2025 bei der Cologne Jazzweek
Aus dem geplanten Trio wurde ein Duo – das jedoch Begeisterungsstürme erntete.
Eigentlich wollten sie zu dritt spielen: Reinier Baas, Gitarre, Ben van Gelder, Saxofon und Han Bennink, Schlagzeug. Doch weil der Drummer sich bei einem Sturz einen Rippenbruch zuzog, fiel der 83-jährige kurzfristig aus und so wurde es ein (wunderbares) Duokonzert. Reinier Baas und Ben van Gelder stammen aus Amsterdam und sie arbeiten seit 15 Jahren zusammen – entsprechend haben sie mit der Zeit eine gemeinsame Sprache entwickelt: klar und melodisch, dann wieder von schrägen Akkorden gebrochen, virtuos, ohne mit den Muskeln zu protzen und voll faszinierender Klanglichkeit. Ein musikalisches Kleinod, das ganz groß erscheinen kann: mal produziert das Duo fast stehende Sounds und dann wieder stürmt es voller Tatendrang in Achtel-Ketten über Ostinatos nach vorne.
22:00 Uhr radio3 / NDRKultur Jazz
Nils Wogram mit Der Fetten Hupe Bei Der Jazzwoche Hannover
Die Jazzwoche Hannover startet für gewöhnlich mit Pauken und Trompeten, die diesmal von der Bigband Fette Hupe stammten. Deren unbändige Power traf bei der Eröffnungsgala auf einen der kreativsten und wichtigsten Köpfe seiner Generation, der kompositorische Innovation mit hochvirtuosem Posaunenspiel verbindet. Wobei Nils Wogram diese Eigenschaften zusammen mit der Fetten Hupe bei der 33. Ausgabe der Jazzwoche Hannover unter den Leitspruch „Use Your Voice!“ stellte und damit die Kraft des Jazz zudem in seinem traditionellen Eintreten für Gerechtigkeit, Toleranz und Demokratie unterstrich.
22:03 Uhr WDR 3 Jazz
Greig McRitchie – Easy Jazz On A Fishbeat Bass
Was um Himmels Willen ist ein „Fishbeat“? Wer sind Greig McRitchie oder Geordie Hormel? Wofür ist Zephyr Records noch heute bekannt? Fragen über Fragen… Götz Alsmann hat Antworten parat.
22:03 Uhr SWR Kultur Open World
Me gusta! – Aktuelles aus Spanien. Mit Antje Hollunder
22:03 Uhr BR Klassik – Jazztime
Der Nürnberger Schlagzeuger Jonas Sorgenfrei: Ein Porträt des auch kompositorisch herausragenden jungen Musikers, u.a. mit seinem brandaktuellen Album „Cracks in the silence“.
22:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Feature
„Männer in Magdeburg“ Stichproben zur maskulinen Lage
Von Tom Schimmeck Regie: der Autor
Redaktion/Dramaturgie: Wolfgang Schiller
Deutschlandfunk 2026
Mann! – das Wort ist Diagnose und Verzweiflungsruf. Gegen den Selbstzweifel hilft Abschottung – die Pflege der eigenen Muskulatur, die Flucht in die Bro-Kultur, mit alten Idealen von Stärke, Stolz und Kameradschaft.
23:03 Uhr Bayern 2, Bremen Zwei und MDR Kultur Nachtmix
Mit Matthias Röckl
23:03 Uhr SWR Kultur Musikstunde
Starke Frauen – Geliebt, verehrt, verfemt (2/5)
5 Frauen, die ihre Epoche prägen und Spuren hinterlassen, die mutig sind, beharrlich, klug und selbstbewusst. Schön? Nicht so wichtig! Aber sie ecken auch an, irritieren ihre Zeitgenossen und gehen doch entschlossen ihren Weg. Jeanne d’Arc gehört dazu, die sich ganzen Armeen entgegenstellt, die Aztekin Malinche, Geliebte von Hernán Cortés und die einzige Verbindung zwischen ihrem Volk und den Eroberern, Maria Sibylla Merian, im frühen 18. Jahrhundert Naturforscherin und Künstlerin, Olympe de Gouges, Kurtisane und Frauenrechtlerin und Johanna Kinkel, Komponistin und Mitstreiterin bei der 1848er Revolution.
23:03 Uhr WDR 3 Open
Girl, Get Up! Mit Diviam Hoffmann
Oder: Feel Good Songs 2.0 – Warum das Jahr 2026 nicht nur schlechte Aussichten für uns parat hat.