Radiotipps für den 20.6.2026
Die Radiotipps in der Übersicht für alle Kultursender des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ByteFM sowie des Ö1.
00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Lange Nacht
„Literatur schlägt Leben“ Eine Lange Nacht über Ingeborg Bachmann
Von Helmut Böttiger Regie: Vera Teichmann
(Wdh. v. 17.06.2023)
Ingeborg Bachmann, die vor 100 Jahren am 25. Juni 1926 geboren wurde, gilt als eine der größten Schriftstellerinnen ihrer Zeit, und sie eignete sich schon sehr früh als Projektionsfläche. Die Porträts von ihr widersprechen sich oft. Für viele ist sie, etwa durch ihren Roman „Malina“ von 1971, eine feministische Ikone, andere wiederum sehen in ihr eher eine haltlose, drogenabhängige Frau. Je nach dem jeweiligen Zeitgeist wechseln die Zuschreibungen, zwischen Heiligenlegende und Boulevardmelodram. Vor allem ihr früher Tod 1973 im Alter von 47 Jahren scheint das zu befeuern: Sie war nach der Einnahme von Tabletten im Bett mit einer brennenden Zigarette in der Hand eingeschlafen.
03:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Tonart
Klassik reloaded: „Kraftwerk Berlin“
„Mit den Vögeln singen“
Uwe Westphal, Vogelstimmenimitation
RIAS Kammerchor Berlin Leitung: Justin Doyle
Aufzeichnung vom 08.05.2026
(Wdh. v. 12.05.2026)
05:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Aus den Archiven
„Die Westernserie Bonanza“ Fernsehkult der Sixties
Von Dieter Koch RIAS 1969
Vorgestellt von Isabella Kolar
Bonanza ist eine der bekanntesten US-amerikanischen Fernsehserien der 1960er-Jahre. Sie spielt im Western-Milieu der 1860er-Jahre. Mit 431 Folgen ist sie nach Rauchende Colts (635 Folgen) die zweitlängste Westernserie der Welt.
13:00 Uhr NDRKultur Das Konzert
„Klangvolle Pionierinnen“
Grażyna Bacewicz: Ouvertüre für Orchester
Antonín Dvořák: Violoncellokonzert h-Moll op. 104
Dora Pejačević: Sinfonie fis-Moll op. 41
Konstanze von Gutzeit, Violoncello; Staatsorchester Braunschweig
Ltg. Nefeli Chadouli
Aufzeichnung vom 10./11.05.2026 im Staatstheater Braunschweig
14:00 Uhr HR 2 Archivschätze
Zum 120. Geburtstag von Wolfgang Koeppen – Werkstattgespräche mit Schriftstellern / Bienek – Koeppen – Andersch
Der Schriftsteller Horst Bienek (1930-1990) arbeitete von 1957 bis 1961 im hr in der Literaturredaktion. Er hat die Sendereihe „Werkstattgespräche mit Schriftstellern“ initiiert. Heute hören sie ihn im Gespräch mit Wolfgang Koeppen und Alfred Andersch.
18:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Feature
„Utopia und Lost Places“ Probewohnen im Osten Deutschlands
Von Alexa Hennings Regie: Giuseppe Maio
Ton: Michael Kube
Dramaturgie: Julia Illmer und Katrin Moll Deutschlandfunk 2026
Zu DDR-Zeiten gehörten sie zu den sozialistischen Vorzeigestädten: Eisenhüttenstadt und Guben. Doch seit der Wende ist die Hälfte der jeweiligen Einwohner weggezogen. Mit Probewohn-Programmen wollen die Städte das Schrumpfen aufhalten.
18:20 Uhr SWR Kultur Jazz
O Bruxo – Zum 90. Geburtstag von Hermeto Pascoal. Von Henry Altmann
Für Hermeto Pascoal war Musik alles und er hat alles zu Musik gemacht: Politikerreden, Spielzeug, Barthaare oder die vielen Instrumente, die er beherrschte. „O Bruxo“ wurde er in seiner Heimat Brasilien genannt, der Hexenmeister. Dem traditionellen Chorro verabreichte er eine Frischzellenkur, er spielte mit Miles Davis, das Album „A Música Livre de Hermeto Pascoal“ wurde 1973 ein Gegenentwurf zur Enge der damaligen Militärdiktatur, in „Calendário do som“ schrieb er ein Jahr lang täglich einen Song – sein Output war legendär. Einige seiner Aufnahmen senden wir heute zu seinem 90. Geburtstag.
19:00 – 23:00 Uhr HR 2 Konzertsaal
LIVE – Rheingau-Musik-Festival: Eröffnungskonzert mit dem hr-Sinfonieorchester
Lucienne Renaudin Vary, Trompete; hr-Sinfonieorchester
Leitung: Alain Altinoglu
Alexander Borodin: Polowetzer Tänze
Alexander Arutjunjan: Trompetenkonzert
Edward Elgar: Enigma-Variationen op. 36
(Übertragung aus der Basilika von Kloster Eberbach)
Alle Sommer wieder eröffnet das hr-Sinfonieorchester mit seinem Chefdirigenten traditionell das Rheingau-Musik-Festival im Kloster Eberbach. Diesmal stellt Alain Altinoglu dafür Tänzerisches und Rätselhaftes zusammen.
19:00 Uhr Bremen 2 Sounds
Sweetlife“ hat die österreichische Musikerin Yvonne Moriel ihr Bandprojekt genannt und die Schweizerin Louise Knobil hat unter ihrem Nachnamen ein ungewöhnliches Trio gegründet. Außerdem: Das erste große Doppelalbum der Rockgeschichte „Blonde On Blonde“ von Bob Dylan erschien vor genau sechzig Jahren. Und: Abdullah Ibrahim war über Jahrzehnte ein prominenter Vertreter des südafrikanischen Jazz. Nun verstarb er mit 91 Jahren.
19:05 Uhr Bayern 2 Zündfunk
ARD Ikonen: Sportfreunde Stiller (5/6) Sturm und Funkstille
Mit Franziska Niesar
Das zugehörige Album „MTV Unplugged in New York“ steigt auf Platz 1 der Charts ein. Es folgen: eine lange Tour und ein weiteres erfolgreiches Album. Die Band spielt die größten Konzerte ihrer Geschichte – und nutzt ihre Bekanntheit zunehmend für soziales Engagement. Sie machen immer weiter – und beginnen sich selbst dabei zu verlieren. Bis Peter die Reißleine zieht. War’s das für die Band?
20:03 Uhr ARD Oper
Sara Glojnarić: „Station Paradiso“
Staatsorchester Stuttgart
Musikalische Leitung: Peter Rundel
(Aufführung vom 10. Mai 2026 in der Staatsoper Stuttgart)
Die Heimat klingt. So war und ist das für viele Arbeiterinnen und Arbeiter, die in der Fremde ein neues Zuhause gefunden haben. Musik ist aber auch Erinnerung und Erzählung. Gemeinsam mit der bosnischen Schriftstellerin Tanja Šljivar und der Regisseurin Anika Rutkofsky verwebt Glojnarić Einwanderungsgeschichten voller Nostalgie und Träume, Tragödien und Komik, Rituale und Sprachenvielfalt zu einer poetisch-surrealen Mixtape-Oper. Das neue Auftragswerk der Staatsoper Stuttgart ist auch Heimatoper im doppelten Sinne. Denn es geht vor allem um die Menschen in Stuttgart, um ein Werk aus Stuttgart, für Stuttgart, aber nicht nur.
20:05 Uhr Deutschlandfunk Hörspiel
„Ein Geschäft mit Träumen“ Von Ingeborg Bachmann
Bearbeitung, Regie: Heinz von Cramer
Deutschlandfunk 1975
Nach Feierabend gerät der Angestellte Laurenz in ein Geschäft, in dem es Träume zu kaufen gibt. Träume, in denen man die Wünsche und Nöte, die Ängste und Hoffnungen des Alltags kompensieren kann.
Anschließend: Ein Wildermuth (Ausschnitt)
Von Ingeborg Bachmann Produktion: RIAS Berlin 1963
22:00 Uhr Bremen 2 Sounds in concert: Jazzahead 2026 (III)
Yvonne Moriel / Richard Koch / Hederosgruppen /Louise Knobil
Vom 23. bis 25. April fand die 20. Ausgabe des Bremer Showcase-Festivals Jazzahead statt. Dieses Jahr war Schweden das Partnerland und erneut kamen auch Bands vom afrikanischen Kontinent. Die sollen in der Zukunft einen selbstverständlicheren Platz im LineUp bekommen. Dazu präsentierten sich in der Reihe German Jazz Expo wie üblich Bands aus Deutschland und die European Jazz Expo hatte ganz unterschiedliche Bands von Norwegen bis Italien zu bieten. Konzerte von: Yvonne Moriel, Richard Koch, Hederosgruppen, Knobil.
22:05 Uhr Deutschlandfunk Atelier neuer Musik
„Cluster, Collage, Kontrapunkt“ Bach-Spuren im Schaffen von Ruth Zechlin
Von Klaus Gehrke
Zweifellos ist Ruth Zechlin die bedeutendste deutsche Komponistin ihrer Generation. 1926 im sächsischen Großhartmannsdorf geboren, studierte sie in Leipzig ab 1943 bei Johann Nepomuk David, Karl Straube und Günther Ramin. Georg Knepler holte sie 1950 als Dozentin nach Berlin, Rudolf Wagner-Regeny und Hanns Eisler waren dort ihre Kollegen. 1969 wurde Ruth Zechlin Professorin für Komposition an der neu gegründeten Berliner Hochschule „Hanns Eisler“. In ihrem eigenen Schaffen verarbeitete sie Techniken der damaligen Avantgarde, setzte sich aber ebenso mit der Kontrapunktik Johann Sebastian Bachs auseinander. Bach war für sie einerseits ein Orientierungspunkt in den kulturpolitischen Stürmen in 40 Jahren DDR – zum anderen blieb er durchaus ein Maß für ihre spätes kirchenmusikalisches Schaffen in Bayern.
23:00 Uhr ByteFM Antikörper mit Mark Kowarsch
Tanz das Tier
Auch in der 120. Antikörper-Sendung hat Moderator Mark Kowarsch tolle Musik dabei und stellt neue Alben und Singles vor. Freut Euch auf Songs von Tigerjunge, Guided By Voices, Muff Potter, Velcro Dog, Danger Dan, The Barbarians Of California, Dead Pioneers, Zoh Amba, Sharon Stoned, Dead Kennedys, Rat Boy, Die Cigaretten, Hoaxxers, Loosey, Badterms, Yea-Ming & The Rumours und The Fleeting Light Of Love And Grief.
23:00 Uhr HR 2 The Artist’s Corner
Neues vom hr Jazzensemble (1/2)
Das hr-Jazzensemble gehört zu den traditionsreichsten Formationen im deutschen Jazz: 1958, beim 6. Deutschen Jazzfestival in Frankfurt am Main, ernennt hr-Intendant Eberhard Beckmann die “German Allstars“ um Albert Mangelsdorff offiziell zum “Jazzensemble des Hessischen Rundfunks“.
23:05 Uhr Deutschlandfunk Lange Nacht
„Literatur schlägt Leben“ Eine Lange Nacht über Ingeborg Bachmann
Von Helmut Böttiger Regie: Vera Teichmann
Ingeborg Bachmann, die vor hundert Jahren am 25 Juni 1926 geboren wurde, gilt als eine der größten Schriftstellerinnen ihrer Zeit, und sie eignete sich schon sehr früh als Projektionsfläche. Die Porträts von ihr widersprechen sich oft. Für viele ist sie, etwa durch ihren Roman „Malina“ von 1971, eine feministische Ikone, andere wiederum sehen in ihr eher eine haltlose, drogenabhängige Frau. Je nach dem jeweiligen Zeitgeist wechseln die Zuschreibungen, zwischen Heiligenlegende und Boulevardmelodram. Vor allem ihr früher Tod 1973 im Alter von 47 Jahren scheint das zu befeuern: Sie war nach der Einnahme von Tabletten im Bett mit einer brennenden Zigarette in der Hand eingeschlafen. Die Lange Nacht zeigt Ingeborg Bachmann vor allem als eine Frau, die zu früh kam. Ihre Gedichte waren in den fünfziger Jahren aufsehenerregend, und sie versuchte, als freie Schriftstellerin ein emanzipiertes Leben zu führen – in einer Zeit, als das noch nicht vorgesehen war. Das ist das Zentralmotiv ihrer Biografie und erklärt auch ihre spätere Lebenskatastrophe. Der Vergleich mit Gottfried Benn wirkt dabei sehr erhellend: Benns viele Altersaffären verstärken heute eher seine Aura, bei Bachmann hingegen wird wieder von „Sich Jedem an den Hals werfen“ gesprochen, von „Selbstzerstörung“. Die Literatur diente Ingeborg Bachmann bereits früh zur Selbstdefinition. Sie inszenierte ihr Leben als Spiel, als Theater – aber im Lauf der Zeit wurde das zu einer Überforderung. Für eine Radionacht ist ihr Verhältnis zur Musik besonders ergiebig. Einmal schrieb sie über Maria Callas – und insgeheim über sich selbst: Die Callas habe „auf der Rasierklinge gelebt“, sie sei „das letzte Märchen“ gewesen, „die letzte Wirklichkeit“. Und sie fasst zusammen: „Die Callas – ja, wann hat sie gelebt, wann wird sie sterben? – ist groß, ist ein Mensch, ist unvertraut in einer Welt der Mediokrität und der Perfektion.“ (Wdh.v.17./18.06.2023)