Radiotipps für den 23.11.2025
Die Radiotipps in der Übersicht für alle Kultursender des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ByteFM sowie des Ö1.
00:03 Uhr Bayern 2 Radiojazznacht
Frauen-Power zum Jubiläum
Highlights und Rückblicke auf das Beste vom 15. Birdland Radio Jazz Festival von einem ungewöhnlichen Jazz-Spielort
0:05 Uhr Ö1 Jazznacht
Österreichischer Jazzpreis 2025 + SoloTogether + Al Cohn
Dorian Concept und Beate Wiesinger im ORF RadioKulturhaus
In der anschließenden Ö1-Konzertaufnahme treffen die Bassistin Beate Wiesinger und der Keyboarder und Soundelektroniker Dorian Concept aufeinander. Am 27. Mai dieses Jahres waren sie zweimal „Solo“ und einmal „Together“ auf der Bühne des Studio 3 im ORF RadioKulturhaus in Wien zu erleben. Beate Wiesinger ist Gründerin der Band Echooomer, mit der sie 2024 den Österreichischen Jazzpreis für das „Best Album“ gewann. Dorian Concept wiederum gilt als einer der renommiertesten österreichischen Musiker zwischen Jazz und Electronica. Als Genre-übergreifender Synthesizer-Spieler vermischt er in seiner Musik experimentell-elektronische Klänge mit Jazz und Ambient-Klängen. Was Dorian Concept und Beate Wiesinger vereint, ist die Liebe zu Improvisation und Klangvielfalt, die sie im Rahmen der RadioKulturhaus-Reihe „SoloTogether“ gemeinsam unter Beweis stellen durften.
00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Neue Musik
„Klangbad aus imaginären Soundskulpturen“ Ein Besuch im Audium von San Francisco. Von Arndt Peltner
In totaler Dunkelheit ein einzigartiges Soundbad aus Alltagsklängen und musikalischen Kompositionen erleben, die den Besucher in andere Sphären beamen.
Am Rande von Downtown San Francisco existiert seit nunmehr 50 Jahren das Audium. Die Geschichte dieses Klangkunstortes geht sogar noch bis in die 1960er-Jahre zurück, als in San Francisco mit ganz neuen Klangideen experimentiert und diese auch umgesetzt wurden. Im Inneren des wie aus einer anderen Zeit wirkenden Gebäudes betritt man einen wahren Tempel des Klanges. Es wirkt wie eine Mischung aus spirituellem Ort und einem Raumschiff auf dem Weg in eine ferne Galaxie. In totaler Dunkelheit werden die Besucher über 176 Lautsprecher mit Soundkompositionen umspielt, die genau für diesen Ort geschrieben und entwickelt wurden. Erlebbare Klangkunst, die zum Loslassen einlädt.
13:30 Uhr Deutschlandfunk Zwischentöne
Musik und Fragen zur Person: Die Juristin Zümrüt Gülbay-Peischard im Gespräch mit Florian Felix Weyh
Vom Migrantenkind zur einst jüngsten Juraprofessorin in Deutschland: Zümrüt Gülbay-Peischard legt Wert auf Leistung und hadert oft mit den Studierenden von heute. Ihr eigener Aufstieg wäre ohne Selbstdisziplin unmöglich gewesen, sagt sie.
14:04 Uhr SWR Kultur Feature
Abdallah und Ramla – Ankommen hört niemals auf. Von Julia Illmer und Massimo Maio
(Produktion: DLF 2024)
Abdallah und Ramla, ein somalisches Geschwisterpaar mit langer und komplizierter Fluchtgeschichte, sind endlich in Berlin angekommen. Sie lernen deutsch. Sie schreiben Bestnoten in der Schule, beide schaffen das Abitur. Ambitioniert sind sie, fleißig, intelligent und clever.
Aber ihr Aufenthaltsstatus wird immer nur „verlängert“, die Unsicherheit bleibt. Und je weiter sich Abdallah in die deutsche Gesellschaft integriert, umso schwieriger wird die Kommunikation mit seiner Schwester … Verlieren sich die früher unzertrennlichen Geschwister auf dem langen Weg der Integration? – Eine Langzeitbeobachtung.
15:04 Uhr WDR 3 Kulturfeature
„Gefiederte Musen – Musik, von Vögeln inspiriert“ Von Sabine Fringes
Lange bevor es den Menschen gab, erfüllte der Gesang der Vögel den Planeten. Ihre Melodien inspirierten Dichter und Komponisten. Und gaben dem Menschen Rätsel auf: Warum singen sie? Und wovon?
15:05 Uhr Deutschlandfunk Rock et cetera
„Veteranen der vertanen Chance“ Die Wiener Band Kreisky. Von Anke Behlert
Bekannt von der Bühne und aus dem TV: krachender, fernwehmachender Indie Rock aus Österreich.
Gedruckte Reiseführer waren vor Internet-Portalen und öffentlichen Bewertungen für jeden Individual-Touristen unentbehrlich. Mit einem „Lonely Planet“ im Gepäck fuhr man allein „so weit weg von daheim, dass kaputte Geräte klingen wie Abenteuer“. So singt es Kreisky-Frontmann Franz Adrian Wenzl im Song „Lonely Planet“ vom 2021er-Album „Atlantis“. Mit Wenzls meist grantigen Texten und krachendem Indie-Rock machte sich das Quartett nach seiner Gründung 2005 rasch einen Namen in seiner Heimat Österreich. Seither vereint Kreisky existenzielle Inbrunst und verbale Giftigkeit in gleichzeitig sperrigen und einprägsamen Songs. Zwischen ihren Studioalben macht die Band auch Theatermusik wie 2017 für das Sibylle Berg-Stück „Viel gut essen“. 2023 steuerte sie den Song „Was ist das für eine Welt“ zur gleichnamigen Folge der Krimi-Reihe „Tatort“ bei, in der sie auch auftrat. Jetzt ist mit „Adieu Unsterblichkeit“ ein neues Kreisky-Album erschienen.
15:05 Uhr Bayern 2 Hörspiel
„Mr. Arkadin“ von Orson Welles
Komposition: Klaus Buhlert Regie: Ulrich Gerhardt BR/WDR 1996
Neapel, 1950er Jahre. Der Kleinkriminelle Guy van Stratten und seine Freundin Mily werden Zeugen am Mord eines Fremden. Im Sterben flüstert er zwei Namen: Gregory Arkadin und Sophie. Die beiden suchen den sagenhaft reichen Mr. Arkadin auf, der in Spanien auf einem Schloss lebt und van Stratten verliebt sich in dessen sorgsam abgeschirmte Tochter Raina. Vor ihr möchte Arkadin mit allen Mitteln seine dunkle Vergangenheit verbergen. Er beauftragt van Stratten mit Nachforschungen zu seinem Leben, angeblich, weil er unter Amnesie leide. In Wahrheit weiß er, dass es noch Zeugen gibt, die seinen Ruf und sein Vermögen bedrohen. Auf seinen Reisen durch Europa und Mexiko weist van Stratten ohne es zu wissen Arkadin den Weg zu früheren Komplizen. Eine wilde Mischung aus Kolportageroman und Shakespeare-Tragödie, griechischer Göttersage und Thriller, Märchen und politischer Parabel. Vor der Verfilmung von Mr. Arkadin (1955; deutscher Titel: Herr Satan persönlich, britischer Titel: Confidential Report) von und mit Orson Welles in der Hauptrolle, wurde der Stoff innerhalb der Hörspielreihe The Adventures of Harry Lime als Prequel zum Film noir Der dritte Mann (1949) gesendet.
17:00 Uhr HR 2 Menschen und ihre Musik
„Als Kind habe ich mich gerne im Cellokasten versteckt!“ – die Cellistin Julia Hagen
Das Cellospielen war ihr in die Wiege gelegt. Und das nicht nur, weil der Cellokasten beim Fangenspielen so ein gutes Versteck ist. Schon ihr Vater hat im berühmten Hagen-Quartett das Cello gestrichen. Mittlerweile ist Julia Hagen (*1995) zum Cello-Shootingstar avanciert und tritt selbst mit Papas Quartett auf.
18:00 Uhr HR 2 Feature
Franziska Sophie Dorau: Wir haben Krieg, die Probe fällt aus
Das „Kyiv Symphony Orchestra“ auf der Suche nach einer zweiten Heimat. Eine Geschichte von Hoffnung und Verlust.
18:20 Uhr SWR Kultur Hörspiel
Robot update
Von Studierenden der UDK Berlin: Peppa Camila Briones Espinoza, Sunan Gu, Julie Guigonis, Amina Hassan, Anna Horak, Frieda Lange, Lili Roesing, Louis Platzer, Alice Rugai
Regie: Barbara Meerkötter (Produktion: SWR/rbb 2025 – Premiere)
Ein Roboter zieht in ein Mietshaus und das versetzt die gesamte Hausgemeinschaft in Aufruhr. Für Joy, 15 Jahre alt, verliebt in eine KI aus dem Programm “Exit the body!”, ist klar, „The Robot“ muss zerstört werden. Die Studenten-WG des Hauses will ihn dagegen subversiv für die Befreiung der Gesellschaft nutzen, und Birgit, die Frau von Hausmeister Grit, sorgt sich wegen des Robots um ihre fertility.
18:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur Hörspiel
„Aminadab (1/3)“ Von Maurice Blanchot
Übersetzung aus dem Französischen: Marco Gutjahr
Bearbeitung und Regie: Klaus Buhlert
Komposition: Klaus Buhlert
Ton und Technik: Martin Eichberg, Jan Fraune, Philipp Adelmann, Klaus Buhlert
Regieassistenz: Lena Demke Dramaturgie: Christine Grimm
Deutschlandfunk Kultur 2022
Teil 2 am 30.11.25, 18.30 Uhr
Teil 3 am 07.12.25, 18.30 Uhr
Ein Mann verliert sich in einem rätselhaften Haus mit lebendigen Räumen und unsichtbaren Regeln. Eine eindringliche Geschichte über Identität, Kontrollverlust und die Suche nach Sinn. Hörspieladaption eines hellsichtigen Romans von 1941.
19:00 Uhr HR 2 hr-Bigband
Rhythm Dances!
hr-Bigband feat. Wolfgang Haffner & Shantel cond. by Jörg Achim Keller, Europa Open Air, Weseler Werft, Frankfurt, August 2025
19:45 Uhr Ö1 Konzert Wien Modern 2025
Lachenmann performt bei Billones Preisträgerkonzert
Pierluigi Billone als Erste Bank-Preisträger und sein Lehrer Helmut Lachenmann als Sprecher im eigenen Stück
Der Erste Bank Kompositionspreis geht heuer an den italienischen Komponisten und Wahlwiener Pierluigi Billone. Die Jury attestiert ihm ein „genuines Interesse – im Dialog mit den jeweiligen Interpret:innen – für das Ausloten instrumentaltechnischer Grenzen“, und einen „weltoffenen Blick sowohl für außereuropäische Kulturen als auch für außermusikalische Kunstdiszipline“. Die Uraufführung seines Preisträgerwerkes „ME (Studie für Ensemble)“ findet im Rahmen des Festivals Wien Modern am 6. November 2025 gemeinsam mit dem Klangforum Wien statt.
Der 65-jährige Pierluigi Billone hat unter anderem bei Helmut Lachenmann studiert. Der einflussreiche deutsche Avantgarde-Komponist, der am 27. November 90 Jahre alt wird, ist ebenfalls in diesem Konzert zu erleben. Er wird in seinem 1991/92 entstandenen Stück „… zwei Gefühle …. Musik mit Leonardo“ als Sprecher auftreten. Ö1 sendet den Mitschnitt dieses hochkarätigen Konzertabends unter der Leitung von Emilio Pomàrico aus dem Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses.
20:00 Uhr HR 2 Konzert
Das hr-Jazzensemble bei „Jazz im Palmengarten“ Remembering Albert Mangelsdorff
Christof Lauer (sax)
Stefan Lottermann (tb)
Sebastian Sternal (p)
Bastian Weinig (b)
John Schröder (dr)
(Aufnahme vom 24. Juli 2025 aus dem Palmengarten in Frankfurt)
Im Juli 1959 spielte das hr-Jazzensemble um Albert Mangelsdorff, viele Jahre die „Hausband“ des Hessischen Rundfunks, das allererste Konzert bei „Jazz im Palmengarten“. Im Juli 2025 Jahre später, spielte das Ensemble an derselben Stelle eine Hommage an Albert zu dessen 20. Todestag. Das hr-Jazzensemble steht für einen eigenen Sound mit eigenwilligen Ideen, mit prominenter Beteiligung im Studio, diesem geschützten Raum, frei von kommerziellen Aufgaben und Zwängen des Marktes. Hier konnte dieses einzigartige Schattengewächs der Jazz-Flora immer neu erblühen, seit 66 Jahren.
20:00 Uhr radio3 Konzert
Ingo Metzmacher dirigiert das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin
Werke von George Gershwin und Margaret Bonds
George Gershwin: „Somebody from Somewhere“ from „Delicious“
Margaret Bonds: „The Negro Speaks of Rivers“
George Gershwin: „Summertime“ from Porgy and Bess lyrics by Ira Gershwin
Margaret Bonds: „Winter Moon“
George Gershwin: „Soon“ from Strike Up the Band
„A Symphony: New England Holidays“
Julia Bullock, Sopran; Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Ingo Metzmacher
Konzertmitschnitt vom 22.11.2025
20:03 Uhr Bayern 2 Radiofeature
„Erschütterungen“ Über eine Mutter die ihr Kind tötet
Ein Feature von Patrizia Schlosser BR 2025
Marie sitzt im Gefängnis, als sie ihre Geschichte erzählt. Sie spricht, weil sie sie hofft, anderen helfen zu können. Denn Marie sagt, sie weiß heute, was verhindert hätte, dass sie zur Täterin wird.
Kindstötungen gehören zu den schlimmsten Taten, zu denen der Mensch fähig ist. Aber in Deutschland werden nicht einmal Zahlen dazu erhoben, wie oft solche Taten geschehen. Auch die Gründe sind nicht gut untersucht. Das Radiofeature „Erschütterungen“ erzählt einen Fall, der mehr ist als ein einzelnes Schicksal. Er handelt von Abhängigkeit, Überforderung, von Mutterliebe und dem Versuch, mit der größten Schuld weiterzuleben.
20:03 Uhr WDR 3 Konzert
Inselklänge – aus Island und dem Indik
Mystischer Folk: Umbra
Aufnahme vom 7. Mai aus der Jazz-Schmiede Düsseldorf
Anschließend: Kreolische Inselmusik – Morekoma
Aufnahme vom 12. Juni aus dem ADA, Wuppertal
20:05 Uhr Deutschlandfunk Feature
GLORIA oder Die erfüllten Wünsche. Von Elisabeth R. Hager
Regie: die Autorin Ton: Andreas Stoffels
Mit Musik von Peter Czak (www.peterczak.com) und anderen
Deutschlandfunk 2025
Aus dem erfolgreichen Opernkritiker Klaus Khittl wird in den 90er-Jahren Gloria G. Die Autorin ist mit ihr verwandt, sie verfolgt ihr Leben erst aus der Ferne und nimmt dann Kontakt auf. Glorias Transition wird für sie zur Inspiration.
Elisabeth R. Hager, geboren 1981, aufgewachsen in Tirol, ist Schriftstellerin und Klangkünstlerin. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. das Hilde-Zach-Literaturstipendium der Stadt Innsbruck 2018. Als Teil des Kollektivs „Writing with CARE / RAGE“ kämpft sie für die bessere Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie zwischen Berlin, Tirol und Neuseeland. Ihr dritter Roman, „Der tanzende Berg“, erschien 2022. 2024 veröffentlichte sie mit der Gruppe „Liquid Center“ den Kollektivroman „Wir kommen“ zu weiblichem Begehren, Sex und Alter.
21:05 Uhr Deutschlandfunk Konzertdokument der Woche
Forum neuer Musik 2025: „Listen and Think“
Zygmunt Krauze: Listen and Think (UA)
Monika Szpyrka: self-(un)winding
Olga Neuwirth: Fondamenta
Krzysztof Penderecki: Zwei frühe Lieder
Juan Allende-Blin: Jiddische Lieder aus dem Ghetto
Eres Holz: Waisengarten (UA)
Renatus Mészár, Bariton
Olaf Reitz, Sprecher
E-MEX Ensemble
Spóldzielnia Muzyczna
Leitung: Christoph Maria Wagner
Aufnahme vom 4.10.2025 aus dem Deutschlandfunk Kammermusiksaal
Am Mikrofon: Leonie Reineke
Das nordrhein-westfälische E-MEX Ensemble praktiziert deutsch-polnische Kooperation. Gemeinsam mit dem Schauspieler Olaf Reitz und dem Krakauer Ensemble Spóldzielnia Muzyczna präsentiert E-MEX einen musikalisch-literarischen Abend, der an historische Wundmale dies- und jenseits von Oder und Neiße stößt. Andrzej Stasiuks Text „Dojczland“ bildet darin das Gerüst. Der polnische Autor beschreibt, wie er Deutschland erlebt und in ihm dabei Vergangenes aufscheint. Die sechs Musikwerke ergeben ein Drei-Generationen-Konzert. In ihrem Fortgang graben sich Texte und Lieder in die Historie. Alles läuft auf die neue Ensemblemusik „Waisengarten“ von Eres Holz zu, dessen Familie einst aus Polen nach Palästina, d.h. ins spätere Israel floh. Holz verfremdet akustische Erinnerungen an seine Kindheit und erzeugt musikalisch ambivalente Gefühle.
22:03 Uhr SWR Kultur NOWJazz
Zündende Zwischenwelten – Die Schlagzeugerin und Sängerin Mariá Portugal. Von Sophie Emilie Beha
Mariá Portugals Schlagzeugspiel klingt mal wie ein Orchester, mal wie ein Atemzug. Dazu setzt sie ab und an auch ihre Stimme ein: flüsternd, direkt, eruptiv. Seit einigen Jahren lebt die brasilianische Künstlerin in Berlin und mischt dort die Szene auf. Sie bewegt sich virtuos zwischen experimenteller Improvisation, Songwriting und durchkomponierter Musik und spielt mit Größen wie Angelika Niescier, Silke Eberhard oder Fred Frith.
22:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Literatur
Freundliche Übernahme? Wenn sich die Wege von Gründer und Verlag trennen. Von Nils Kahlefendt
Wie geht es weiter mit dem Verlag, wenn die Gründerin Rentnerin wird?
Viele kleine und mittlere Verlage sind Familienbetriebe, deren Verleger oft weit über die Alters- und Kraftgrenze hinaus arbeiten. Wer sein Lebensprojekt beizeiten sichern will und den Lebensabend auch, braucht Umsicht, Geduld und gute Nerven. Entscheidet man sich dann wirklich zum Verkauf, braucht es zudem noch Interessenten … Es geht aber auch anders: Nikolaus Gelpke überführt den von ihm gegründeten mareverlag gerade in eine Genossenschaft, um dessen Unabhängigkeit zu sichern. Und Egon Ammann entschied sich einst für einen sauberen Schnitt, um den klangvollen Namen nicht ruinieren zu lassen. „Den Stab zu begraben, das ist die Entscheidung, die wir gewählt haben“, schrieb er – und hörte nach 29 Jahren erfolgreichen Verlegens einfach auf. In Zeiten rasanter Strukturveränderungen der Branche werden wir dieses Ende womöglich häufiger sehen.
23:03 Uhr SWR Kultur Essay
Der Milliardär hat’s manchmal schwer – Ein Versuch in gefühlter Gerechtigkeit. Von Leander Steinkopf
Der Milliardär mag zehn Schlafzimmer haben, kann aber immer nur in einem Bett schlafen, von zehn Badezimmern benutzt er selbst bei stärkstem Harndrang nur ein einziges. Am Abend können Milliardäre keine besseren Serien streamen als die 99% da draußen. Sie haben keine besseren Kinofilme, keine besseren Bücher, keine bessere Popmusik. Wenn Sie Lust auf Bier haben, trinken sie eins der großen Marken, und wenn sie Cola wollen, trinken sie dieselbe wie das breite Volk. Arme Milliardäre! Kein Wunder, dass sie nach Orientierung suchen. Und sie finden in der Tiefsee, wo sie manchmal ertrinken, oder im Weltall, wo die Luft dünn ist.
23:03 Uhr WDR 3 Studio Neue Musik
Pantheon der Neuen Musik [10] Ligeti. Mit Ben Süverkrüp
Seitdem Stanley Kubrik die sehr unikate Klangwelt von Ligeti kennengelernt und in seine Filme eingebaut hat, kennt wohl jeder den ungarischen Komponisten – ob wissentlich oder nicht. Der Titel eines seiner Stücke – “ Clocks and Clouds“ – umschreibt die Pole seines Komponierens trefflich: zwischen Präzisionsrhythmen (Uhrwerk) und verschwimmenden Konturen (Wolken) haben Übergänge mannigfaltiger Aggregatzustände ihren Platz. Das Pantheon der Neuen Musik schließt mit dieser zehnten Sendung seine Pforten.
Atmosphères (1961)
Berliner Philharmoniker, Jonathan Nott
Volumina (1966)
Hans-Ola Ericsson
Harmonies (1967)
Hans-Ola Ericsson
Lux aeterna (1966)
Schola Heidelberg, Walter Nussbaum
Continuum (1968)
Elisabeth Chojnacka
Klavieretüden (Auswahl)
Pierre-Laurent Aimard
Nouvelles Aventures (1965)
Internationales Kammerensemble Darmstadt, Bruno Maderna