Radiotipps für den 27.1.2026
Die Radiotipps in der Übersicht für alle Kultursender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ByteFM sowie des Ö1.
00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Neue Musik
„Nebeneinander und Miteinander“ Betrachtungen zur künstlerischen Freundschaft. Eine Radiophone Bildbeschreibung. Von Volker Zander
John Cage, Merce Cunningham und Robert Rauschenberg in London beim Sadler’s Wells Theatre
- Juli 1964, beim Londoner Sadler’s Wells Theatre: drei gut gelaunte und selbstbewusste Männer aus New York auf Welttournee. Von links nach rechts: John Cage, Merce Cunningham und Robert Rauschenberg. Ein Komponist und Musiker, ein Choreograf und Tänzer, ein bildender Künstler und Bühnenbildner. Das Ideal ihrer künstlerische Ästhetik ist das gleichzeitige Nebeneinander ihrer Besonderheiten. Ihr Material ist das, was überall frei zu finden ist: das Nebengeräusch, die Alltagsgeste, das Readymade. Was alles zusammenhält ist ihr Vertrauen zu einander, ihre Freundschaft.
01:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Tonart Jazz
Moderation: Katrin Wilke
In der aktuellen, jüngeren Jazzgeneration gibt es immer mehr bemerkenswerte singende Geigerinnen, Kontrabassistinnen und Cellistinnen, die die Möglichkeiten, die Klangwelten von Instrument und Stimme sehr eigenwillig und feinnervig ausloten und kombinieren. Eine solche, mindestens zweigleisig fahrende Künstlerin ist die Französin Mathilde Vendramin: eine Poetin am Cello, die sich mit ihrem besonderen Charisma und Gespür recht schnell einen Namen gemacht hat in der Szene Berlins, ihrer aktuellen Wahlheimat. Weil sie zu so vielen, auch recht verschiedenen Live- und Studiorojekten gebeten wird, scheint sie kaum zur Arbeit am eigenen Werk zu kommen. Doch nun ist ihre zweite EP namens „Écrin“ da, und wir werden in dieser Nacht dieses „Schmuckkästchen“ öffnen und ihre neuen Kompositionen – auch mit einer kleinen Radiostudio-Live-Session – ans Mondlicht holen.
17:30 Uhr Ö1 Spielräume
Musik aus allen Richtungen mit Marie-Theres Himmler. Das neue Duo Fliid/McKenzie und die erste Aufnahme von Koszika & Péter Sárik Trio
Die dänisch-norwegische Sängerin Adine Fliid und der australisch-dänische Cellist Adam McKenzie haben sich zum Duo zusammengeschlossen und eine gemeinsame künstlerische Identität geformt. Nun sind sie flügge und legen mit ihrem Album „Svaleheim“ („Schwalbennest“) ihr Tonträgerdebüt vor. Mythen, Erinnerungen, Landschaften, Herkunft und Zugehörigkeit sind Kern ihrer musikalisch-poetischen Auseinandersetzung. Songtexte in norwegischer Sprache verschmelzen mit Cello, Gitarre und Kontrabass zu feinfühligen Eigenkompositionen – Prädikat: nordische Atmosphäre, wärmender Klang.
18:00 Uhr ByteFM Forward The Bass mit Karsten Frehe
Jazz meets Dub-Special
Das Aufeinandertreffen von Jazz und Dub ist schon seit Ewigkeiten immer wieder zu bemerken. Guckt man auf die Genese jamaikanischer Musik sind Überschneidungen bereits von Anbeginn an vorhanden. Aktuell liegen mit „Jazz Gone Dub“ von Gaudi und „Jazz My Dub“ von der Wicked Dub Division (Foto) meets Francesco Bearzatti aus Italien zwei Alben vor, die das Thema wieder aufgreifen. Das Interesse an dieser Art von Fusion scheint also gerade jetzt, Zufall hin oder her, wieder einmal von Bedeutung zu sein.
In der heutigen Sendung werden beide Alben zum Anlass genommen, Euch neben Tracks dieser Veröffentlichungen Bands nahe zu bringen, die ebenfalls in den letzten Jahren in dieser Richtung unterwegs gewesen sind. Und so sind aDUBta meets Roots Organisation, Death By Dub, Kosmo Sound, Dreadsquad, Groundation und das Guiding Star Orchestra mit dabei.
19:00 Uhr HR 2 Hörbar
Wör & Kongero: „Songbooks live“
Das schwedische Frauen-Folkquartett Kongero trifft auf das belgische Ensemble Wör – ein folkloristisches Gipfeltreffen!
19:00 Uhr ByteFM Trail Of Songs mit Arne Schumacher
Ramblers, Dreamers, Vagabonds
Es gibt eine verbreitete Sehnsucht nach einfachen Songs in klassischem akustischem Gewand. Ein Grund, warum Ye Vagabonds aus Dublin nach den Anfängen als Straßenmusiker heute in mittelgroßen Sälen auftreten. „All Tied Together“ ist das vierte Album der Mac Gloinn-Brüder Brian und Diarmuid. Auch Langhorne Slim aus den Staaten hat sich einst auf hartem Pflaster durchschlagen müssen. Inzwischen dürfen’s bei ihm auch gerne mal deftig rockende Töne mit Band sein. Als empfindsame Americana-Songwriterin hat sich Landsfrau Courtney Marie Andrews etabliert. Deutlich robuster klingt Matthew Curry, handfester Roots-Mann aus Illinois. Auf „The Rambling Kind“ ist er im Southern-Rock-Modus. Sabine McCalla aus New Orleans stimmt ein beseeltes „Baby, Please Don’t Go“ an. Jede Menge Seele liegt auch im Spiel von Meistergitarrist Julian Lage, wenn er intime Nummern wie „Opal“ zupft. Georg Ringsgwandl aus dem Oberbayerischen wundert sich in „Phänomen“, dass er jemanden gefunden hat, die ihn trotz seines „zersausten Lebens“ mag. Sensibel begleitet wird er von Saiten-Spezialist Daniel Stelter, ebenfalls einer mit jeder Menge Song-Gefühl.
19:15 Uhr Deutschlandfunk Feature
„Versteckt überleben“ Geheimer jüdischer Widerstand im Holocaust. Von Andrew Müller und Fabian Grieger
Regie: Anna Panknin Deutschlandfunk 2026
1943 galt Berlin offiziell als „judenrein“. Doch einige überlebten im Untergrund – auch Gad Beck und Zvi Aviram, dort, wo heute meine Küche ist. Von hier leiteten sie den „Pionierkreis“, die einzige zionistische Widerstandsgruppe Nazi-Deutschlands.
20:00 Uhr Deutschlandfunk Kultur Konzert
„Hörprobe“ Konzertreihe mit deutschen Musikhochschulen
Live aus dem Kammermusiksaal der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim
20:03 Uhr BR-Klassik Horizonte
Ensemble Brooklyn Rider
Streichquartette von Philip Glass
Aufnahme vom 17. Januar 2026 im Rahmen der „unerHÖRT!“-Reihe
Mit kreisenden Melodien, repetitiven Strukturen und pulsierenden Rhythmen zieht die Musik von Philip Glass in ihren Bann. Als einer der Hauptvertreter der Minimal Music schafft Glass Klänge von hypnotischer Wirkung, die sich kaum zu verändern scheinen, beim genaueren Hinhören aber stetig voranschreiten und in der vermeintlichen Monotonie einen besonderen Sog entfalten. Das Streichquartett zieht sich wie ein roter Faden durch sein Schaffen. Er greift damit auf die Königsdisziplin der Kammermusik zurück und lässt in seine Kompositionen Einflüsse aus indischer Musik, Malerei, Film, Theater, Tanz und Literatur mit einfließen.
Das Ensemble Brooklyn Rider aus New York beschwor in seinem Konzert im Palais Sutterheim in Erlangen den Geist der Minimal Music herauf.
20:05 Uhr Deutschlandfunk Hörspiel
Die Entflohene (4/4) Robert de Saint-Loup
Nach dem Roman „La Fugitive“ von Marcel Proust
Aus dem Französischen übersetzt von Bernd-Jürgen Fischer
Hörspielbearbeitung Wort: Manfred Hess und Hermann Kretzschmar
Regie: Ulrich Lampen
Komposition: Hermann Kretzschmar
Musik: Pablo Druker und Ensemble Modern
Ton und Technik: Christian Bader, Christian Eickhoff, Tanja Hiesch, Philipp Knop, Alexander Kolb, Mike Wayszack, Christoph Claßen
Regieassistenz: Constanze Renner
Dramaturgie: Manfred Hess Mitwirkung: Uta Felten SWR/Deutschlandfunk 2022
Im letzten Teil des Hörspiels trifft Marcel seine alte Liebe Gilberte Swann wieder, die mittlerweile seinen Freund Robert geheiratet hat. Bei einem Besuch auf deren Landsitz entpuppt sich das vermeintliche Eheglück als Chimäre.
21:00 Uhr SWR Kultur / HR 2 JetztMusik
Jean-Pierre Leguay bei Musik am 13.
Jean-Pierre Leguay: „In illo tempore“ für Klarinette (UA)
„Passeggiata“ für Cello und Klavier (UA)
Orgelimprovisation
„Le matin sûrement va venir“ für Altsaxofon, Klavier und Schlagzeug
(Konzert vom 13. Oktober 2025 in der Stadtkirche Stuttgart-Bad Cannstatt)
Mit dem französischen Komponisten und Organisten Jean-Pierre Leguay stand in Bad Cannstatt ein Künstler im Mittelpunkt, der nicht nur die Kirchenmusik seines Landes geprägt hat. Leguay war Titularorganist an der Kathedrale Notre-Dame de Paris, wo er für seine Improvisationen im Stil der Gegenwart für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Beim Gesprächskonzert standen kammermusikalische Uraufführungen auf dem Programm, aber auch an der Orgel der Stadtkirche war Jean-Pierre Leguay zu erleben.
21:00 Uhr radio 3 / NDRKultur Neue Musik
Neue Musik Aktuell Mit Andreas Göbel
21:05 Uhr Deutschlandfunk Jazz Live
Ordnung im Chaos: Felix Henkelhausens „Deranged Particles“
Aufnahme vom 30.10.2025 beim Jazzfest Berlin
Am Mikrofon: Odilo Clausnitzer
Gewusel von Stimmen, Poly-Rhythmen und asymmetrisch übereinanderliegenden Figuren: ein großes, atmendes Groove-Gebilde.
Das Septett um den Berliner Bassisten Felix Henkelhausen findet Groove in der Gleichzeitigkeit scheinbar unvereinbarer Rhythmusschichten. Such den Beat: Wenn es „Klick“ macht, dann ist das Gewusel von Stimmen, Rhythmen, Metren und asymmetrisch übereinanderliegenden Figuren ein großes, atmendes Groove-Gebilde. Darum geht es Henkelhausen, 1995 in Oldenburg geboren, mit seiner Band Deranged Particles. Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist der Schlagzeuger Philip Dornbusch. Er hält die gegenläufigen Parts der Bandmitglieder Percy Pursglove (Trompete), Philipp Gropper (Tenorsaxofon), Elias Stemeseder (Klavier), Evi Filippou (Vibrafon) und Valentin Gerhardus (Elektronik) polyrhythmisch zusammen. Am Eröffnungsabend des Jazzfest Berlin produzierte Deranged Particles musikalisches Gehirnfutter – manchmal zum Mitwippen.
22:00 Uhr radio3 / NDRKultur Jazz
Makaya Mccraven beim Jazzfest Berlin
Makaya McCraven zählt zu den innovativsten Schlagzeugern der internationalen Jazzszene. Seine Musik lebt von einer hypnotischen, groove-orientierten Klangästhetik und verbindet unter anderem Elemente aus Soul, Hip Hop und Spiritual Jazz. Auf seinem aktuellen Album „Off The Record“ hat Makaya McCraven Liveaufnahmen der letzten 10 Jahre nachträglich im Studio editiert und zu neuen Stücken zusammengesetzt. Mit diesem neuen Material hat er im vergangenen Jahr beim Jazzfest Berlin das Publikum begeistert. Florian Rumberg war dabei.
22:03 Uhr WDR 3 Jazz
Lou Bennett – Echoes And Rhythms Of My Church. Mit Götz Alsmann
Unter den vielen amerikanischen Jazzmusikern, die in den 50er und 670er Jahren den Weg nach Paris fanden, befand sich auch der Hammondorganist Lou Bennett. Sein 1964er Album zeigt ihn als Kenner der folkloristischen Traditionen des Soul Jazz.
22:03 Uhr SWR Kultur / HR 2 Open World
Niafunké: Klänge vom Niger. Mit Babette Michel
22:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Feature
„Morgens um halb zehn“ Arbeitswelten in Deutschland und Japan
Von Julia Shimura Regie: Guiseppe Maio
Produktion: Deutschlandfunk 2022
Was macht eine Gesellschaft aus? Ist es die Politik? Innovation? Das BIP? Oder sind es die Geschichten unseres Alltags, die unsere Lebenserfahrung prägen?
Sechs Menschen halten inne und geben uns Einblick in ihre tägliche Routine. Drei leben in Japan, drei in Deutschland. Sie kennen sich nicht, teilen aber dieselben Berufe: Die Arbeit als Hebamme, als Reinigungskraft und im Bestattungsinstitut. Wie sieht der Beginn und das Ende des Lebens an unterschiedlichen Enden der Welt aus? Welche Sorgen verbinden zwei Putzkräfte, die 9.000 km voneinander getrennt arbeiten? Und welche Hoffnungen?
Eine Dokumentation voll überraschender Gemeinsamkeiten und gebrochener Klischees.
23:03 Uhr Bayern 2, Bremen Zwei und MDR Kultur Nachtmix
Krisen, Künstliche Intelligenz und Folkmusik. Mit Jay Rutledge
„Er wirft mit Zöllen um sich, wie mit Pokerchips“, textet die mexikanische Künstlerin Ximena Castro in ihrem neuen Song „Manos blancas“ – weiße Hände, “er hockt auf seinem Fernsehthron. Niemals setzt er seinen Fuß auf die verbrannte Erde. Nie bezahlt er für seine Zerstörung.“ Die ARD Late Night Sounds mit KI-generierter Protestmusik aus Mexiko City, Americana aus New Orleans, Cumbia aus Austin Texas und jeder Menge Neuerscheinungen.
23:03 SWR Kultur Musikstunde
Mordsmäßig! Crime & Mystery in der Musik (2/5). Mit Eva Schramm
23:03 Uhr Ö1 Sound Art: Zeit-Ton
2025 revisited. Musik für sowohl gehörloses und schwerhöriges als auch hörendes Publikum beim ORF musikprotokoll (Teil 2) „I Am Your Body“ von Marco Donnarumma
Technologien normieren Verhalten, indem sie die Art und Weise bestimmen, wie Menschen die Welt wahrnehmen. „Im Laufe der Geschichte baute die Entwicklung von Klangtechnologien ausschließlich auf den Erfahrungen hörender, nicht-tauber Menschen auf“, so Marco Donnarumma, der selbst spätertaubt ist. „Jahrhundertelange Konzentration auf Cochlea-Hörtechnologien hat alle anderen Möglichkeiten, Klang wahrzunehmen, als unwichtig erscheinen lassen und so dazu beigetragen, die soziale Norm zu etablieren, die Gehörlosigkeit als das direkte Gegenteil von Klang betrachtet. Doch was ist Gehörlosigkeit, wenn nicht eine andere Form der Wahrnehmung?“ In seinem vielgestaltigen Projekt „I Am Your Body“ lädt Donnarumma sowohl gehörlose und schwerhörige als auch hörende Menschen ein, gemeinsam mit ihm die Grenzen des normativen Hörens hinter sich zu lassen, um in eine faszinierende Welt voller neuer sensorischer Erfahrungen einzutauchen, in der modifizierte Cochlea-Implantate und KI- Höralgorithmen nicht versuchen einen Verlust zu reparieren, sondern zu neuartigen Organen des Teilens werden. Bereits 2020 führte Marco Donnarumma mit „Inanis“, einer Auftragskomposition des ORF musikprotokoll, in die vermeintliche Leere des Ungehörten. Was nicht gehört wird, ist nicht abwesend, vielmehr existiert es in einer sensorischen Dimension, zu der man vielleicht erst einen Zugang finden muss.