Radiotipps

Radiotipps für den 9.5.206

Die Radiotipps in der Übersicht für alle Kultursender des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ByteFM sowie des Ö1.


00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Lange Nacht

„Die Last des Schweigens“ Eine Lange Nacht über späte Folgen der NS-Zeit
Von Burkhard Reinartz Regie: der Autor

Zeitlich gesehen ist die Zeit von 1933 bis 1945 nur ein kurzer Abschnitt der Geschichte. Doch dieser Zeitraum hat enorme Spuren hinterlassen. Ängste, Depressionen und diffuse Schuldgefühle belasten auch heute noch das seelische Gleichgewicht der Nachkommen. Die Vernichtung von über sechs Millionen Juden sowie Millionen von Erschießungen beim Angriffskrieg der Nazis hat auch Millionen von Nachkommen der Täter in ganz Europa zu unschuldigen Opfern gemacht. Trotz der staatlichen Aufarbeitung herrschen in den Familien weiterhin Verdrängung, Schweigen und Verschweigen. Die Mehrheit der Kriegsgeneration hat den Dialog über die Nazi- Zeit vermieden. Es wurde geleugnet, verklärt oder verschwiegen. Inzwischen machen nicht nur Nachkommen, sondern auch die Nachkommen der Nachkommen sich auf den Weg, das Schweigen zu brechen, und recherchieren in Datenbanken, ob ihre Väter, Großväter oder Uropas Nazitäter waren. Repräsentative Studien zeigen, dass Deutschland weniger ein Weltmeister im Erinnern ist, sondern eher im Verdrängen. So halten in der „Memo-Studie“ der Universität Bielefeld nur 18 Prozent der Befragten ihre Vorfahren für Nazis. Dabei hat die Mehrheit der Bevölkerung die Hitler-Diktatur mitgetragen. Ebenfalls 18 Prozent geben an, ihre Vorfahren hätten den Opfern geholfen, zum Beispiel Juden versteckt. Faktisch waren es allerhöchstens ein Prozent.


05:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Aus den Archiven

„Mein Wille geschehe“ Über die Freiheit in Deutschland
Von Renate Eisel Deutschlandradio Berlin 1994

Vorgestellt von Isabella Kolar
Jeder hat eine Idee von Freiheit, aber keiner weiß, was Freiheit ist. Immer, wenn man jemanden fragt, hat er eine – oft präzise – Vorstellung davon, was er sich unter seiner Freiheit vorstellt – und ka


13:05 Uhr Bayern 2 das ARD radiofeature

„Kampf der Geheimhaltung“ Doku über Julian Assange, WikiLeaks und die Pressefreiheit
Von Lea Eichhorn und John Goetz NDR 2026

Mit dem Versprechen radikaler Transparenz gründet der australische Hacker, Journalist und Verleger Julian Assange vor 20 Jahren WikiLeaks, eine Plattform, auf der vertrauliche Dokumente, Videos und Fotos anonym veröffentlich werden können. So zum Beispiel 2010 geheime Militärdokumente. Assange, von den USA der Spionage und des Geheimnisverrats angeklagt, bekommt als politischer Flüchtling Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London, es folgen fünf Jahre Haft. Im Sommer 2024 wird er schließlich freigelassen. Wie wehrhaft ist unabhängiger, kritischer Journalismus, wenn selbst demokratisch gewählte Regierungen gegen Journalisten vorgehen, wenn sie unliebsame Wahrheiten veröffentlichen? Was bleibt heute von radikaler Transparenz?


14:00 Uhr Ö1 Hörspiel

„Vom Land“ von Dominik Barta
Ton: Martin Leitner, Bearbeitung und Regie: Elisabeth Weilenmann (ORF 2021)

Von der Macht des Schweigens erzählt Dominik Bartas Hörspiel „Vom Land“: Als die Bäuerin Theresa plötzlich nicht mehr kann, gerät das sicher gemeinte Familienkonstrukt ins Wanken. Verdrängtes, Verletzungen und unausgesprochene Wahrheiten treten zutage. Bartas Stück ist ein dichtes Porträt über Herkunft, Enge und die Frage, ob man seine Herkunft wirklich jemals zur Gänze zurücklassen kann.


18:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Feature

„doku drops 11 + 12“ Zusammenstellung: Judith Geffert und Ingo Kottkamp
Deutschlandfunk 2026


18:20 Uhr SWR Kultur Jazz

Der Stuttgarter Pianist Noah Diemer. Von Henry Altmann
„Just go for truth and beauty and forget the rest.“ Diese Aussage von Bill Evans hat sich Noah Diemer zu Herzen genommen. Der in Stuttgart lebende Pianist bringt Ungeschriebenes zum Klingen, erzählt mit Musik Geschichten, teilt Gefühle und spricht unmittelbar zum Publikum. Klingt altmodisch, erst recht, wenn die Wurzeln seiner Musik nicht nur im Jazz liegen, sondern zu klassischen Komponisten des Impressionismus und der Romantik zurückreichen. Im März 2025 ist Diemers Debütalbum „Traces of Dusk“ erschienen – eine Einladung, den Zwischentönen der Dämmerung und den Nuancen der Nacht zu lauschen.


19:00 Uhr Bremen 2 Sounds

Das Debütalbum „OUTTANATIONAL“ der britischen Band Pigeon ist schwer zu kategorisieren. Ist es Afrobeat, Punk, Krautrock, Spacefolk? Die fünfköpfige Gruppe hat sich bei einem gemeinsamen Kneipenabend gegründet. Nachdem England ein Länderspiel verloren hatte, gingen Falle Nioke, Graham Godrey, Josh Ludlow, Steve Pringle und Tom Dream spontan in einen Proberaum und jammten ihren Frust runter. Das Zusammenspiel passte unmittelbar. Das Debüt kreist um das Thema Zuhause, und die unterschiedlichen Vorstellungen davon. Sänger Nioke ist während der Aufnahmen eingebürgert worden und befasst sich entsprechend viel mit dem Spannungsfeld zwischen Herkunft und Gegenwart. Ein stilsicher vielseitiges erstes Album dieser Band aus Margate im äußeren Südosten Englands.


19:04 Uhr WDR 3 Hörspiel

Windstärke 17. Von Caroline Wahl
Regie: Léon Haase Produktion: hr 2025


19:05 Uhr Bayern 2 Zündfunk

The Art Of Noise – Anne Dudley zum 70. Eine Verbeugung von Ralf Summer
Sie zählt zu den führenden Elektronik-Tüftlerinnen der 80/90er und ist heute gefragte Soundtrack-Komponistin. Am 9. Mai wird die Britin 70. Pop-musikalisch war die Zeit ihres Trios The Art Of Noise die spannendste Phase. Zu deren größten Hit „Moments In Love“ – ein Mix aus Synthie-Pop, New Age und Neo-Klassik – schritten Madonna und Sean Penn zum Traualtar. The Art Of Noise war auch die Hausband von ZTT – dem Label von Trevor Horn (The Buggles). So wirkten sie auf den Songs von Frankie Goes To Hollywood mit. Die Hi-Tech-interessierte Gruppe arbeitete schon Mitte der 80er mit einer KI-Stimme. Ihre Prince-Coversion „Kiss“ mit Tom Jones wurde ein Top10-Hit. Dudley war der musikalische Kopf von AON: sie spielte Keyboards / Piano und arrangierte Streicher. Und wurde auch gebucht von ABC, a-ha, Annie Lennox, Debbie Harry, Electronic, Malcolm McLaren, Marc Almond (Soft Cell) und Propaganda. Seit der Auflösung von The Art Of Noise schreibt sie TV-Melodien und Soundtracks. Und wurde für die Filmmusik zu „The Full Monty“ mit dem Oscar gekrönt. Anne Dudley ist zudem die erste weibliche Komponistin, die mit dem BBC Orchestra zusammenarbeitete. Auch weil man sie hierzulande nicht (mehr) so gut kennt: Zeit für ein Porträt dieses „hidden champions“.


20:00 Uhr ByteFM Electro Royale Musik aus Strom mit Martin Böttcher

Sirenen und Liebe!
Zeit für große Gefühle bei Electro Royale. Die kommen unter anderem von Pilocka Krach, von The Micronaut und Helene Rickhard. LOVE!


20:05 Uhr Deutschlandfunk Hörspiel

„Unsere vergorenen Wunden“ Von Katrin Pitz
Regie: Matthias Kapohl Komposition: Kiki Bohemia
Ton und Technik: Thomas Widdig und Oliver Dannert
Dramaturgie: Sabine Küchler Deutschlandfunk 2024

Eine Patientin lotet die Grenzen ihres Psychoanalytikers aus. Mal hält sie ihn hin, mal liefert sie ihm bereitwillig Träume, Erlebnisse, Widersprüchlichkeiten. Was davon ist wahr? Und bei wem liegt letztendlich die Deutungshoheit?


22:00 Uhr Sounds in concert

Dianne Reeves & Romero Lubambo
Mitschnitt vom 11. März 2026, Music Hall Worpswede

Dianne Reeves hat zurecht den Stempel Legende verdient. Die 69-jährige US-amerikanische Jazzsängerin hat mit Witz, Charme und beeindruckender Stimme sowie ihrem genialen Gitarristen Romero Lubambo das Publikum der Music Hall Worpswede in den Bann gezogen.


22:05 Uhr Deutschlandfunk Atelier neuer Musik

„Christlich-pazifistische Stimme“ Der Brandenburgische Komponist Helmut Zapf
Von Ingo Dorfmüller

Als bekennendem Christen und Wehrdienstverweigerer blieb ihm in der DDR das Studium an einer staatlichen Musikhochschule verwehrt: So schlug Helmut Zapf, Jahrgang 1956, eine Laufbahn als Kirchenmusiker ein. Neue Perspektiven eröffneten sich, als er 1982 für vier Jahre Meisterschüler von Georg Katzer wurde: Seine Musik drängte nun in ihren Formen und Inhalten über die Kirchenmusik hinaus. Eine große Vielfalt an Formen und Stilistiken hat sich seither in seinem Schaffen ausgeprägt, bis hin zur vielgestaltigen Einbeziehung der Elektronik. Christliches Ethos aber und die Leitidee eines stets neu zu erringenden und zu gestaltenden Friedens ziehen sich durch sein gesamtes Schaffen. Im Vorwort zu seiner Komposition „Vrede“ von 2023 formuliert er es so: „Frieden ist das Ergebnis einer oft schwierigen Bemühung, Prozesse und Entwicklungen gestalten zu wollen. Frieden ist das Zusammensetzen, Abwägen und Formen – ist Komponieren.“


23:00 Uhr HR 2 The Artist’s Corner

„Vice-Versa, etc.“ Die elektroakustische Musik von Éliane Radigue (1932-2026)
Von Christian Schröder

Im Paris der 1950/60er Jahre erlernte Éliane Radigue als Assistentin von Pierre Schaeffer und Pierre Henry das Handwerk der elektroakustischen Komposition und entwickelte selbst ihre eigene Écriture.


23:03 Uhr WDR 3 Studio Akustische Kunst

Kutin/Kindlinger: Le Parleur. Adorno reloaded
Peter Kutin und Florian Kindlinger haben eine prominente aber bereits verstummte Stimme der Vergangenheit mit Hilfe eines Machine Learning – Algorithmus wieder zum Leben erweckt. Der Parleur – ein Klon der Stimme Theodor Wiesengrund Adornos – reflektiert über sein abermaliges Erscheinen in dieser Welt, die ihm neu zugedachte Rolle, und darüber, welche Richtung die Entwicklung hier einschlägt.


23:05 Uhr Deutschlandfunk Lange Nacht

„Die Last des Schweigens“ Eine Lange Nacht über späte Folgen der NS-Zeit
Von Burkhard Reinartz Regie: der Autor

Zeitlich gesehen ist die Zeit von 1933 bis 1945 nur ein kurzer Abschnitt der Geschichte. Doch dieser Zeitraum hat enorme Spuren hinterlassen. Ängste, Depressionen und diffuse Schuldgefühle belasten auch heute noch das seelische Gleichgewicht der Nachkommen. Die Vernichtung von über sechs Millionen Juden sowie Millionen von Erschießungen beim Angriffskrieg der Nazis hat auch Millionen von Nachkommen der Täter in ganz Europa zu unschuldigen Opfern gemacht. Trotz der staatlichen Aufarbeitung herrschen in den Familien weiterhin Verdrängung, Schweigen und Verschweigen. Die Mehrheit der Kriegsgeneration hat den Dialog über die Nazi- Zeit vermieden. Es wurde geleugnet, verklärt oder verschwiegen. Inzwischen machen nicht nur Nachkommen, sondern auch die Nachkommen der Nachkommen sich auf den Weg, das Schweigen zu brechen, und recherchieren in Datenbanken, ob ihre Väter, Großväter oder Uropas Nazitäter waren. Repräsentative Studien zeigen, dass Deutschland weniger ein Weltmeister im Erinnern ist, sondern eher im Verdrängen. So halten in der „Memo-Studie“ der Universität Bielefeld nur 18 Prozent der Befragten ihre Vorfahren für Nazis. Dabei hat die Mehrheit der Bevölkerung die Hitler-Diktatur mitgetragen. Ebenfalls 18 Prozent geben an, ihre Vorfahren hätten den Opfern geholfen, zum Beispiel Juden versteckt. Faktisch waren es allerhöchstens ein Prozent.


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