„Rắn Cạp Đuôi Collective“ Thrill-Ride durch die Apokalypse

Das Experimentalmusikkollektiv Rắn Cạp Đuôi Collective veröffentlicht ein neues Album. Es klingt nach Aliens, Sperrfeuer und springenden Schrauben. Von Julia Hubernagel.

„Ngủ Ngày Ngay Ngày Tận Thế“, das neue Album, das übersetzt etwa die Apokalypse durch- beziehungsweise verschlafen bedeutet, zeichnet vor allem die Mischung aus organischem und technischem Sound aus. Gleich im Eingangstrack „Images“ etwa lässt man sich von dumpfen Herzschlag-Geräuschen einlullen, die nur mit Kopfhörern wirklich wahrnehmbar sind, um dann von einer arg zersplitterten Kick-Drum wieder in die dissonante Wirklichkeit gerissen zu werden.

Wobei diese Wirklichkeit irgendwo im Weltraum angesiedelt sein muss, irgendwo, wo Zeit und Raum ein bisschen anders funktionieren als auf der Erde. Dunkel fühlt man sich auch an Filme wie „Das fünfte Element“ erinnert: futuristisch schon, aber trotzdem ein bisschen kaputt, angerostet. Hier und da springt mal überraschend eine Schraube heraus, woanders steigt Rauch auf.

„Ngủ Ngày Ngay Ngày Tận Thế“ klingt anders als die Vorgängeralben des Kollektivs aus Saigon. „In a Grass House“ von 2014 ist wohltönend, sogar durchgängige Schlagzeugrhythmen gibt es. Auch das 2018er Album „Đẹp Trai Chết Hết“ ist noch unverkennbar melodisch, sanfter, mit Gesangspassagen. „Ngủ Ngày Ngay Ngày Tận Thế“ ist dunkler, weniger zum Träumen als zum Aufwachen geeignet, disruptiv.

© Taz, Kultur, 13.7.2021

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