Release Tipp: HEXA – Material Interstices / Room40

Dieses tiefe, sehr tiefe Grollen, Dröhnen, löst bei mir viele Assoziationen des Unbewussten aus, die tief, sehr tief in meinen Inneren schlummern. Bei vollkommener Dunkelheit ist das ganz wohl nur schwer zu ertragen. Und es beschäftigt mich und wie ich so die Kommentare lese, bin ich damit nicht allein.

Und so werte ich den Kommentar von icyhott hier zitieren:

Ich kann in einem kurzen Kommentar nicht wirklich erklären, wie wichtig diese Platte für mich ist. Lesen Sie, was Lawrence English in einem Interview mit Tone Glow darüber zu sagen hatte, falls Sie es noch nicht getan haben. Es ist ermutigend, wie ständig Musik über die seltsamen Phänomene gemacht wird, wie der Ort, an dem man lebt und aufgewachsen ist, einen verändert, wie es eine Art von Verständnis zu geben scheint, das über einen selbst hinausgeht, und generell über das Leben. Ich werde das ganz nah bei mir behalten.

icyhott

Lawrence English

Als ich ein Kind war, hatte ich zwei wiederkehrende Träume. Beide Träume hingen mit dem Haus zusammen, in dem ich lebte. Es war ein weit verzweigtes Haus, das hoch gebaut war, aber darunter war es weitgehend unvollendet. Die Unterseite des Hauses war ein Labyrinth aus kleinen Zimmern, Betongruben und einer Ansammlung von Baumaterialien, Rohrleitungen und übrig gebliebenen Möbeln, die neben Erdschichten lagen, die die Konsistenz von Mondstaub hatten.

Der erste wiederkehrende Traum handelte von einem brennenden Vogel, der in den frühen Morgenstunden am Küchenfenster vorbei vom Himmel fiel. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich bei dem Vogel um eine abgewandelte Version einer Tabernakelkerze handelte, diese Form der verdrehten ewigen Flamme, die oft mit zuckenden Flügeln symbolisiert wird. Dieser Traum ist mir als Erwachsener nie wieder begegnet, obwohl ich mich lebhaft daran erinnern kann.

Der zweite Traum ist vor kurzem aufgetaucht, wenn auch nur ein entfernter, verschwommener Hinweis auf die greifbare Intensität, die ich erlebte, als ich jünger war. Dieser Traum war ein Traum, der tief in den labyrinthischen, unfertigen Anlagen unter meinem Haus vergraben war. Der Traum begann gewöhnlich damit, dass ich auf dem Mondboden spielte und allmählich ein Geräusch aus einer großen Betongrube in der Mitte des Raumes auftauchte. Das Geräusch wurde immer lauter, und schließlich musste ich hingehen und es untersuchen. Es rief mich herein, anders kann man es nicht beschreiben. Als ich in die Grube hineinschaute, gab es immer eine Art Luke, die oft wie eine Drucktür aussah, wie man sie in einem U-Boot-Film sehen kann, und das Geräusch kam von unten aus dieser Luke. Es war auch eine Art pochendes, hämmerndes Geräusch, tief gedämpft und vergraben, als würde man Bassmusik aus einem Auto hören, das um den Block herum geparkt ist.

Unweigerlich drehte ich die Luke auf, und im Inneren befand sich eine mechanische Welt, die heute an die innere Psyche von Tetsuo The Iron Man erinnert. Es war dunkel, fast vollständig zweifarbig, in schweren Grau- und Schwarztönen gehalten und von einer dicken, feuchten, ölartigen Feuchtigkeit durchzogen. Als ich in die Luke kletterte und die Leiter hinunterstieg (es gab auch immer eine Leiter), nahm der Druck des Geräusches zu, und es war, als würde mein ganzer Körper von dieser monolithischen unterirdischen Maschine verschlungen. Ich habe nie verstanden, was die Maschine tat, oder ob es überhaupt eine Maschine war, das System wurde nie enthüllt, aber was ich fühlte, war, dass es etwas jenseits meines üblichen Verständnisses gab, das Tag und Nacht auslöschte und unendlich viel mächtiger und befehlshabender war, als ich es jemals begreifen konnte.

Es hat mich überrascht, dass dieser Traum im letzten Jahr zu mir zurückgekehrt ist. Vielleicht liegt es an der allgemeinen Stille in der Welt und an der angeborenen Art und Weise, wie sich unsere Ohren selbst für die subtilsten akustischen Veränderungen öffnen, wenn wir schlafen. Entfernte Geräusche, die normalerweise im Lärm der städtischen Nachtlandschaft verborgen sind, dringen in meine Träume ein und lösen eine Art spekulatives Bewusstsein aus. In diesem posthypnogischen Zustand kehrte ich an den imaginären Ort aus meinen Kindheitsträumen zurück, aber gleichzeitig wurde mir nie der volle Zugang zu diesem Ort gewährt, sondern er fühlte sich eher reserviert an. Ich konnte ihn nicht auf dieselbe Weise betreten, selbst wenn die Luke da war, war ich nicht derselbe Geist und konnte sie nicht auf dieselbe Weise öffnen.

Letztes Jahr erzählte ich Jamie von diesem Traum, und auch er berichtete von unruhigen Schlafgewohnheiten. Das brachte uns zum Nachdenken darüber, wie sich die Dynamik der Welt in letzter Zeit in Richtung des Auftauchens der natürlichen Welt verschoben hat. Ebenso hat sie sich aber auch zugunsten ihres Schattens verschoben; die ständigen industriellen, mechanischen und anderen akustischen Nebenprodukte menschlicher (und nicht-menschlicher) Arbeit ragen aus der gedämpften Geräuschkulisse der Umgebung heraus. Was normalerweise in der alltäglichen (Sub-)Stadtlandschaft aufgesaugt wird, ist exhumiert worden und sucht uns in diesen besonderen Momenten aus der Ferne heim, eine äußere Kraft, die innere Ungewissheiten freisetzt. Diese Musik ist eine Umsetzung dieser Erfahrung und wurde für jene Momente geschrieben, in denen das Bewusstsein wohl spekulativ ist.



Laut, sehr laut hören. Subwoofer an bzw. so viel Bass wie möglich. Manchmal glaube ich das Arbeiten an Stahlplatten oder aus einem Stahlwerk zu vernehmen, aber spielt das eine Rolle? Man muss diese Musik auf sich wirken lassen. Danach sind nicht viele Varianten möglich. Man liebt oder hasst es. Wofür ich mich entschieden habe, ist ja klar.

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