Release Tipp: Puce Moment – Sans Soleil / Parenthèses Records
Ihre Musik hat etwas Erhabenes, Rituelles und auch Theatralisches, als würden wir unsichtbaren Zeremonien beiwohnen und wir hören die Musik dazu. Es heißt: „Sans Soleil (das sind Nicolas Devos und Pénélope Michel) ist eine Einladung an die Gegenwart – eine ritualisierte Feier des Augenblicks, in der Spuren der Vergangenheit heraufbeschworen werden.“ Das trifft vollkommen zu. Wenn man ihre Musik laut hört, entfaltet sie die volle Wirkung, und die ist sehr stark. Unbedingt anhören!

Sans Soleil ist ein immersives Musikstück, das die uralte traditionelle japanische Gagaku-Musik mit elektroakustischer und elektronischer Musik in einer grenzwertigen Klanglandschaft in Dialog bringt – ein Begegnungs- und Übergangsraum, orchestriert von Puce Moment. Die kaiserliche und jahrhundertealte Gagaku umfasst das Repertoire an Hofmusik und Tänzen chinesischer und koreanischer Herkunft, das in Japan bewahrt und seit dem 5. Jahrhundert unverändert von Generation zu Generation weitergegeben wird. Im Februar 2020 reisten Nicolas Devos und Pénélope Michel nach Tenri, einem Vorort von Nara, Japans ehemaliger Hauptstadt, um die Musiker der Gagaku-Musikgesellschaft von Tenri zu treffen und aufzunehmen.
Diese Aufnahmen bildeten die Grundlage für die musikalische und szenische Kreation von „Sans Soleil“, die in Zusammenarbeit mit der Choreografin und Tänzerin Vania Vanneau entwickelt wurde. Die Musik ist zwischen Kontemplation und Chaos angesiedelt und unterliegt einem sich verändernden und organischen Verfall, der von Erscheinungen, Verunreinigungen und anhaltenden Klängen bevölkert wird, die sich der Mutation widersetzen. Sans Soleil ist eine Einladung an die Gegenwart – eine ritualisierte Feier des Augenblicks, in der Spuren der Vergangenheit heraufbeschworen werden. Sans Soleil hinterfragt die Begriffe der Übertragung und des Prozesses der Wiederaneignung, des individuellen und kollektiven Gedächtnisses, seiner Repräsentationen und seiner imaginären und mentalen Konstruktionen durch etwas, das einer tranceartigen Zeremonie ähnelt. © Texte: Liner Notes