Release Tipps

Release Tipp: Saba Alizadeh – Temple of Hope / 30M Records / Aktualisiert

Die erste Veröffentlichung des Jahres, die mich umgehauen hat und bitte mit maximaler Lautstärke hören. Saba Alizadeh schafft eine energiegeladene Mischung aus Wut, Zorn und Ohnmacht. Daraus entsteht eine starke Kraft zur Veränderung und der Hoffnung. Das ist zwingend und hat eine große Energie. Außerdem ist die Montage der Stimmen aus Sprechchören und Fieldrecordings sehr wirkungsvoll! Ein absolut herausragendes Release. Richard Allen von A Closer Listen ist der gleichen Meinung wie ich. Auszüge aus seinem Review findet ihr unten.

Wie kann inmitten von Angst und Grausamkeit ein Sinn für Schönheit gefunden werden? Wie kann all das Unaussprechliche hörbar gemacht werden, aber auch Wut, Hoffnung und ein unnachgiebiger Lebenswille?

Saba Alizadeh / Foto: Mohsen-Shahmardi

Mit seinem dritten Album „Temple Of Hope“ hat der iranische Komponist Saba Alizadeh eine bewegende Hommage an die Menschen seiner Heimat geschaffen. Die Ereignisse während der „Woman Life Freedom“-Bewegung sowie die Kämpfe der Bevölkerung in den vergangenen Jahren verwandelt er in ergreifende elektroakustische Musik. Verstärkt durch den Gesang und die Texte von Andreas Spechtl, Sanam Maroufkhani und Leila Rahimi. In seinen Kompositionen kombiniert Saba Alizadeh das traditionelle Saiteninstrument Kamancheh mit Streichern, modularen Synthesizern und einem No-Input-Mixer. So entsteht ein spannungsgeladener Klang, der die Sprachlosigkeit und die zerrissenen Emotionen zwischen Leid, Auflehnung und Hoffnung erforscht. Historische Radio-Sequenzen verankern seine Stücke in der Kultur und Geschichte des Landes. Die starke Verfremdung und Dekonstruktion dieser akustischen Elemente wiederum verweist auf das Unbegreifliche – auf existenzielle Umbrüche und Auflösungsprozesse. In seinem „Temple Of Hope“ sammeln sich Mut und Zuversicht. Denn so oft Saba Alizadehs vielschichtige Stücke wie Echos des Grauens wirken, so sehr entfalten sie auch eine tief berührende Schönheit. © Texte: Liner Notes

Das Zusammenspiel von Instrument und Gesang erinnert die Zuhörer daran, wie wichtig es ist, eine Stimme zu haben und gehört zu werden, was allzu oft zwei verschiedene Dinge sind. Die gestrichene Kamancheh ist ein Plädoyer für das Erinnern; die Stimmen der Demonstranten in „Woman Life Freedom“ sind ein Plädoyer für Veränderung. Sanam Maroufkhanis wortlose Stimme in „Women of Fire“ ist eine der kraftvollsten, kompromisslosesten und unbeugsamsten des Albums. „Fall of the heroes“ enthält ein starkes, schlagendes Herz, das in der Drohne verschluckt wird; Exzision oder Inkorporation? Das Herz kehrt zusammen mit einem piependen Monitor in ‚Clamour‘ zurück. Aber die auffälligste Stimme wird von einem Sample getragen: die Stimme des Volkes, die in ‚Plain of the free‘ wiederholt wird.

Das Album ist sowohl düster als auch leicht, ein Zeugnis der Vergangenheit und ein Ausdruck der Hoffnung für die Zukunft. Die auf dem Cover dargestellte Solidarität kommt in der Musik zum Ausdruck. Der Iran ist nicht das einzige Land, dessen Bevölkerung sowohl patriotisch als auch kritisch ist; die Aussage hat eine universelle Anziehungskraft. -Richard Allen (A Closer Listen 20.1.2025)


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