Release Tipps: Wer braucht schon Schubladen?!?
Musik von Martin Brandlmayr, Joana Guerra, Maria do Mar, Romke Kleefstra und Jan Kleefstra; Luis Fernando Amaya, Ludwig Berger, Darius Heid und Peter Knight.
Seien wir ehrlich: Wenn wir etwas hören, wollen wir es irgendwie einordnen oder zumindest verstehen, was das sein soll. Also Free Jazz, Neue Musik, R&B oder so. Ich habe für euch ein paar spezielle Fälle zusammengestellt, die sich solchen Schubladen entziehen. Das ist spannend, weckt Erwartungen und birgt die Chance, Neues zu entdecken. Ich werde zu allen ein paar Sätze verlieren und den Rest überlasse ich euch. Seid versichert, dass auch diese Auswahl nur ein kleiner Teil dessen ist, was tatsächlich vorhanden ist. Der November ist immer ein Albtraum, was die Anzahl neuer Releases betrifft.
Martin Brandlmayr hatte eine verrückte Idee: Wir hören den Beginn von etwas, doch es tritt nie ein und nichts beginnt. Das Konzert beginnt nicht, usw. Die Stille übernimmt die Hauptrolle, wir warten, doch nichts passiert. Ich finde folgenden Satz aus den Liner Notes unglaublich passend: „Interstitial Spaces ist ein kühnes Spektakel, das die ereignisreiche Ereignislosigkeit feiert.“ Ein ausgefallenes Hörerlebnis.
Die Musik von Joana Guerra, Maria do Mar, Romke Kleefstra und Jan Kleefstra mutet wie eine vertonte Lesung an. Die Texte sind auf Friesisch, wo hatten wir das gerade? 😉 Somit sind sie nicht zu verstehen. Was aber irgendwie keine Rolle spielt. Denn die Texte werden interpretiert und die Musik dazu improvisiert, was absolut spannend zu hören ist. Ein wirklich tolles und poetisches Gesamtwerk und das ist das Highlight dieser Auswahl insgesamt !
Der mexikanische Komponist Luis Fernando Amaya überrascht mit absolut ungewöhnlichen Klängen, an die man sich erst gewöhnen muss. Die Texte von Jennifer Gersten sind jedenfalls eine große Hilfe, um das Gehörte zu verstehen, denn, wie gesagt, seine Musik ist sehr besonders.
Ich würde das, was Ludwig Berger kreiert hat, als ein akustisches Hörstück bezeichnen. Es setzt sich hauptsächlich aus Field Recordings zusammen, die aber viel mehr mit den Räumen und der Umgebung zu tun haben als üblich. Er versucht, während man ihm zuhört und die Umgebung erkundet, eine Geschichte zu finden und zu erzählen. Es entstand als Herzstück des luxemburgischen Beitrags zur Architekturbiennale in Venedig 2025.
Stille ist der Ausgangspunkt für die Kompositionen von Darius Heid. Das erfordert viel Zeit, und das erste Stück dauert auch gute 40 Minuten. Ich würde es eher als Meditation über Raum, Ort und Zeit verstehen. Man muss dem täglichen Lärm entfliehen und ihn ablegen, um diese Musik erfahren zu können. Erstaunliches kann dabei gehört werden.
Room40 ist stets ein Ort für unerhörte Klänge. Hier findet Peter Knight einen Raum, um mit uns seine Erinnerungen an die Orte und Klänge seiner Kindheit zu teilen. Mitunter sind magische Sounds zu hören, die uns akustisch auf seine Traumreise mitnehmen. Bezaubernd!
W U N D E R B A R !! Vielen Dank für diese akustischen Leckerbissen
Danke, danke. Das zu lesen ist wieder eine gute Motivation für die nächsten Tipps.
Schön ist es auch wenn man zwei oder mehrere dieser Clips gleichzeitig hört. Oder ist das Frevel?
Ganz und gar nicht. Ich habe das auch schon des Öfteren gemacht, weil es ja so problemlos geht. Ich finde das natürlich spannend und interessant.