Rock meets Free Jazz „Das Gemächt im Eierschneider“

Die US-Band Oxbow und Peter Brötzmann traten 2018 gemeinsam beim Jazz-Festival in Moers an. Die wilde Mischung gibt es jetzt als Album. Von Benjamin Moldenhauer.

Der Gesang des an der Welt und an der Liebe leidenden Mannes, er ist schon auf viele Weisen erklungen. Im Modus krähendes Kind (Emocore zum Beispiel), ostantiv einfühlsam, auch selbstmitleidig (Indierock, generell), erhaben-pastoral (Nick Cave), oder auch als Versprechen von Stärke und Panzerung, den Schmerz also negierend (Metal).

Eugene Robinson, Sänger der US-Band Oxbow, hat seit 1989 auf bislang sieben Alben eine Stimmtonalität entwickelt, die der Redewendung vom Wechselbad der Gefühle so etwas wie Anschaulichkeit verleiht. Robinson schluchzt, röhrt und kreischt. Er wirkt dabei maximal getrieben und zugleich wie komplett in Kontrolle seiner künstlerischen Mittel. Oder auch wie jemand, der auf einer Party mit seinem Gemächt aus irgendwelchen dunklen Gründen im Eierschneider hängen geblieben ist und nun souverän versucht, die Misere zu überspielen.



Eine Assoziation, die die Band selbst wohl auch hatte: Die ersten beiden Alben, Fuckfest“ und „King of the Jews“, wurden einst auf einer Compilation mit dem Titel The Balls in the Great Meat Grinder Collection“ zusammengefasst.




TAZ, Kultur, 23.11.2022

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