„Sagen Sie doch mal was Positives!“ Vom Nutzen und Nachteil der Schwarzmalerei. Von Eva Horn

„Erzähl mir etwas Neues!“ lautet das Motto beim digitalen Kölner Kongress 2022, auf dem die Literaturwissenschaftlerin Eva Horn sich dem Nutzen und Nachteil düsterer Prognosen widmet.

Spricht man über Themen wie Klimawandel oder Leben mit Covid, wird man oft gebeten, doch lieber positive Visionen zu entwerfen, als zu warnen und düstere Prognosen zu stellen. Wir bräuchten doch eher Utopien als dunkle Szenarien. Laut Eva Horn beruht diese Idee auf einer falschen Vorstellung von Zukunft und Zukunftshandeln.

Zukunftsgestaltung funktioniert über Figuren der Negativitität: Prophezeiungen, Warnungen, Prävention, Prophylaxe, Vorsorge und Versicherung gegen Ereignisse, die wir gerade verhindern wollen. Solche Formen der Vorhersage funktionieren, auch wenn sie sich am Ende als falsch erweisen. Positive Zukunftsentwürfe mögen tröstlich sein, aber um Zukunft wirklich zu gestalten, braucht man ein gewisses Maß an Schwarzmalerei.




Eva Horn ist seit 2009 Professorin für Germanistik an der Universität Wien. Sie forschte und lehrte zuvor in Konstanz, Frankfurt/Oder, Basel und New York. Zu ihren Interessengebieten gehören die Literatur und Kunst im Anthropozän sowie Narrative der Katastrophe. Zuletzt erschienen zu diesen Themen: Zukunft als Katastrophe: Fiktion und Prävention (Fischer 2014) und mit Hannes Bergthaller: Anthropozän – zur Einführung (Junius 2019).

© Deutschlandfunk. Essay und Diskurs, 3.4.2022

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