Scham und Virtuosität – Schämen (2/3) Von Reiner Niehoff und Sven Rücker

Im gleichen Maße, in dem das Schämen durch Selbstzermürbung und -regulierung ein Gewaltverhältnis begründet, erzeugt es auch Empathie, Einfühlung in Andere – ganz egal, ob ich mich vor Anderen oder für Andere schäme.

Erst durch die Scham wird der Mensch zum „interessanten Tier“ (Nietzsche). Sie bewirkt eine Verfeinerung und Vertiefung, verwandelt bloße Affekte in Gefühle. Anhand von Max Schelers Anthropologie der Scham lässt sich zeigen, wie die virtuosen Verschiebungen, die das Schämen erfordert, künstlerische Werkprozesse begleitet, fördert und initiiert.

© SWR 2, Essay, 16.11.2020

Danke, das Du meinen Beitrag kommentieren möchtest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: