Schottisches Radiokunstfestival „Radiophrenia“ 2025 ! Teil 1 + 2
Ö1 Kunst zum Hören präsentiert Ko-Produktionen, die gemeinsam mit dem Radiophrenia Festival in Glasgow, Schottland entwickelt wurden. Radiophrenia heißt ein Kunstfestival, das heuer zum zehnten Mal stattfindet, und zwar vor allem im Radio.
Gesendet wird aus und in Glasgow sowie online, und ein Großteil des Programms wurde aus Einreichungen einer internationalen, offenen Ausschreibung ausgewählt. Es gibt Live-Radio-Performances und vorproduzierte Hörstücke, auch eine Reihe von neu in Auftrag gegebenen Arbeiten. Ö1 beteiligt sich an dem Festival durch die Koproduktion von Stücken und durch die Entsendung eigener Produktionen. Für das Radiophrenia Festival 2025 hat die Kunst-zum-Hören-Redaktion fünf Stücke ausgewählt, die die Bandbreite an künstlerischen Zugängen, Formaten und Produktionsweisen veranschaulichen.
„Walking my Bangalore Broom through Malleswharam“ von katrinem
Die in Berlin lebende Künstlerin katrinem hat im Jänner 2023 auf Einladung des Goethe-Instituts Bangalore und des Srishti Institute of Art, Design and Technology die indische Mega-City Bangalore besucht und sie erkundet – und zwar mit einem Besen. Der Besen als Instrument, aber auch als Kommunikationstool, als unscheinbarer Alltagsgegenstand, mit dem man sich kehrend durch die Stadt bewegen kann, ohne unangenehm aufzufallen, und über den – wie katrinem erfahren hat – so manches Gespräch zustande kommt.
„Seltsamen“ von Verena Dürr, Christine Schörkhuber und Thea Soti
2023 entstand das mehrteilige Projekt „SELTSAMEN“, eine Auseinandersetzung mit dem Klimawandel unter anderem aus der Perspektive der Natur. Die Künstlerinnen Thea Soti, Christine Schörkhuber und Verena Dürr stellten sich die Frage, wie wir Menschen uns als Mittelpunkt der Welt abschaffen können, um uns als Teil der Welt zu begreifen, damit wir uns auch wieder für die Welt verantwortlich zu fühlen.
„Seltsamen“ wurde vom ORF musikprotokoll initiiert und war eine Kooperation des Ö1 Kunstradios mit der Veranstaltungsreihe XX Y X und dem Kunstraum Kluckyland.
„German Tapes“ von Runar Magnusson
Ausgangsmaterial für die digitalen Bearbeitungen durch den dänisch-isländischen Soundkünstler und Komponisten Runar Magnusson ist eine Tasche voll Kassetten mit Hörspielaufnahmen deutscher Rundfunkanstalten von Anfang bis Mitte der 1990er Jahre, die Magnusson geschenkt bekommen hatte.
Playlist
Komponist/Komponistin: katrinem (Katrin Emler)
Titel: Walking my Bangalore Broom through Malleswharam
I: katrinem (Katrin Emler)
Länge: 26:40 min
Komponist/Komponistin: Verena Dürr, Christine Schörkhuber, Thea Soti
Titel: Seltsamen
I: Verena Dürr, Christine Schörkhuber, Thea Soti
Länge: 19:48 min
Komponist/Komponistin: Runar Magnusson
Titel: German Tapes
I: Runar Magnusson
Länge: 05:16 min
Teil 2:
„Dieses Stück entstand Ende 2024, mit diesem Gefühl des Umherwanderns, des Flanierens in meinen Erinnerungen, die ich mit meinen Ohren, meinen Augen, meiner Nase, all meinen Empfindungen einfangen konnte, Dinge, die mein Leben ausmachen und die ich fast wie Schätze aufbewahre. Hier fühle ich mich frei, Überraschungen zu genießen, meine Erinnerungen wiederzuentdecken und ihnen neues Leben einzuhauchen.
Ich hatte das Vergnügen, Klangmomente zu verwenden, die mir von Luke Fowler, Chris Watson und Luc Ferrari zur Verfügung gestellt wurden, und ich habe sie mit meinen eigenen neueren Aufnahmen und einigen aus meinem Archiv seit den 1970er Jahren gemischt – wenn auch manchmal mit schmerzlicher Freude.“
Das schreibt Brunhild Ferrari über ihr Hörstück „Errant Earl“, das als Koproduktion von Ö1 Kunst zum Hören und dem Festival Radiophrenia entstanden ist. Radiophrenia läuft seit 7. April und ist ein Festival, das on air und on site in Glasgow stattfindet. Das Programm besteht vor allem aus Einreichungen und aus neu beauftragten Stücken – das Ö1 Kunstradio ist seit Jahren als Koproduzent dabei. Das Stück „Errant Ear“ ist für Mark Vernon, Kurator des Radiophrenia-Festivals ein Highlight des diesjährigen Programmkalenders.
Brunhild Ferrari, gebürtige Deutsche, ist Witwe des französischen Komponisten, Radiomachers und Klangkünstlers Luc Ferrari. Sie hat als Übersetzerin und Dolmetscherin gearbeitet, hat mit Pierre Schaeffer am ORTF zur Beziehung Klang und Bild geforscht und mit Luc Ferrari zahlreiche Hörspiele und Radiostücke umgesetzt. Seit seinem Ableben 2005 kümmert sie sich um seine umfassenden Archive. Sie hat den Freundeskreis „Association Presque Rien – Friends of Luc Ferrari“ gegründet, den Wettbewerb PRESQUE RIEN initiiert und organisiert und ein Buch mit seinen Schriften und Dokumenten herausgebracht. „I composed music; I continue“, ist der letzte Satz ihrer Kurzbiographie.
Uraufgeführt wurde „Errant Ear“ bereits am 15. März 2025 in Glasgow im Glad Café. An diesem Abend wurden auch zwei Kurzfilme über Brunhild Ferrari gezeigt, und es gab eine Duo-Performance des US-amerikanischen Musiker Dave Grubbs und des schottischen Filmemachers und Musiker Luke Fowler mit Sound Material von Brunhild Ferrari: „J’ai pensé sans paroles“.
Komponist/Komponistin: Brunhild Meyer-Ferrari
Titel: Errant Ear
Ausführende: Brunhild Meyer-Ferrari
Länge: 31:45 min
Label: Eigenverlag
Untertitel: Brunhild Meyer-Ferrari
Titel: J’ai pensé sans paroles
Ausführende: Dave Grubbs
Ausführende: Luke Fowler
Länge: 22:55 min
Label: Eigenverlag
© Ö1, Sound Art: Kunst zum Hören, 3.4. + 7.4. 2025