„Sehnsucht nach der vergangenen schönen Welt“ Eine lange Nacht über Gustav Mahler“
Komponist, Dirigent, Operndirektor – Gustav Mahler war prägend für die Musik seiner Zeit. Mit großen Klangmalereien zeigte der Österreicher die Sehnsucht nach dem Vergangenen und setzte daneben Musik, die das Elend der Realität abbildete. Von Barbara Giese.
Mit 37 Jahren war Gustav Mahler der jüngste Hofoperndirektor, und ganz Wien sprach darüber. Nachdem er die Oper zehn Jahre lang mit starker Willenskraft verändert und geprägt hatte, brachte er in den letzten Lebensjahren seine Reformvorstellungen für Orchester, Bühne und Sängerdarstellung an die Metropolitan Opera in New York. Sein unabhängiger Veränderungswille war nicht Selbstzweck, sondern entsprang einer Philosophie. Was entstanden ist, muss vergehen. Aus dem Vergangenen entsteht Leben. Nachdem seine Eltern früh verstorben waren, verdiente er als Kapellmeister an verschiedenen Bühnen in Europa den Unterhalt für sich und vier seiner Geschwister. Jüdisch geboren und aufgewachsen, überzeugten ihn Teile der christlichen Lehre. Nachdem er unter Antisemitismus gelitten hatte, konvertierte er zum katholischen Glauben. Die Ehe mit der fast zwanzig Jahre jüngeren umtriebigen Alma Schindler aus einem österreichischen Künstlerhaushalt war turbulent. Seine ungeheure Energie und Disziplin halfen ihm, neben der Theaterarbeit zehn große Symphonien, mehrere Liederzyklen und diverse andere Lieder zu komponieren. Die meisten der eigenen Werke entstanden in seinen Ferien. Mit großen Klangmalereien zeigte er die Sehnsucht nach der vergangenen schönen Welt und setzte daneben Musik, die das Elend der Realität abbildete.
Ich leb allein in meinem Himmel
Eine Lange Nacht über den Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler
Von Barbara Giese
Regie: Beate Bartlewski
(Wdh. v. 18./19.07.2020)
© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 205.2023