Musiktipps

Soundexpeditionen 1/22: „Auf Solopfaden“ Neues von Svarte Greiner, Park Jiha, Pjusk und Mark Vernon.

Eine Meditation über einen großen Raum, Reflexionen über das Licht und Reisen durch nächtliche Klanglandschaften, ähnlich einem Film Noir.


Eine kleine Bemerkung vorweg. Aufgrund der Anzahl der Neuveröffentlichungen muss ich einige zusammenfassen, obwohl jede einzelne einen eigenen Beitrag verdient hätte. Sie sind alle mehr als eine Erwähnung wert.


Svarte Greiner – Devolving Trust / Miasmah Recordings

Obwohl er immer mal wieder im Duo auftritt, gilt Svarte Greiner aka Erik K. Skodvin eher als Solist. Er arbeitet hauptsächlich im Bereich der Ambient Music. Wobei ich das nicht so eng fassen würde und es sehr auf seine Partner ankommt. Auf digitalinberlin gibt es ein Interview mit Svarte Greiner.


Zu dieser Produktion schreibt er Folgendes:
Ich wurde eingeladen, die riesigen alten Kellerräume unter dem Gelände der Schneider-Brauerei in Berlin für eine Performance/Installation zu nutzen. Feucht und hohl, mit einer dunklen Vergangenheit und langem Nachhall war dies der perfekte Ort, um mein Cello und eine elektroakustische Improvisation im Geiste meiner zwei langen, meditativen Alben Black Tie & Moss Garden zu versuchen. Als 30-minütiges Stück, das nach seinem Ende noch stundenlang im Raum nachhallte, sodass die Leute herumlaufen und die Klänge und leeren Gänge in sich aufnehmen konnten.


Svarte Greiner aka Erik K. Skodvin

Die Faszination, in Räumen mit einem sehr langen Nachhall zu spielen, ist eine ganz besondere.
Und ich denke hierbei immer gerne an so ein Projekt wie „Vor der Flut -Hommage an einen Wasserspeicher“, welches Hinnerick Bröskamp injizierte.


„Ich habe hier eine Ausnahme gemacht, weil ich das Gefühl habe, dass sie das Live-Gefühl auf eine Weise wiedergibt, die mir gefällt. Sehr persönlich und voller kleiner Fehler, die ein eigenes Leben schaffen. Außerdem, bin ich sehr glücklich mit dieser Improvisation und höre es seit und höre sie seit ein paar Jahren immer wieder an. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf beschloss ich, dass es ein weiteres Dokument in meiner laufenden Serie von atmosphärischen Stücken in Langform nach den oben erwähnten zwei Alben.“

Svarte Greiner


Dem kann ich mich nur anschließen. Geschickt arbeitet er mit dem Nachhall. Mit dem Cello schafft er Loops, legt diese in Schichten übereinander. Gerade in den tiefen Lagen klingt ein Cello, für mich, einfach wunderschön. So stellt sich nach einiger Zeit, ein Gefühl der Zeitlosigkeit ein. Ein beglückendes Stück Musik.


Park Jiha – The Gleam / Glitterbeat Records

Nach dem großartigen Release: „Philos“ von 2019 waren die Erwartungen sehr hoch.
The Guardian schreibt: Die Schönheit von Jihas Arbeit liegt in den Räumen, die sie entstehen lässt.

Das Licht der Sonne ist das Thema ihrer neuesten Produktion: Wie oft denken wir an das Licht? Wir erfreuen uns an dem sanften Wunder eines Sonnenaufgangs oder des majestätischen Sonnenuntergangs, aber den ganzen Tag über ändern sich Qualität und Beschaffenheit des Lichts ständig, Sekunde für Sekunde, auf eine Weise, die wir kaum wahrnehmen. Diese Schönheit ist die Inspiration für The Gleam, das dritte Album des koreanischen Komponisten und Instrumentalisten Park Jiha. / Glitterbeat



Sie selbst schreibt dazu:
Die Inspiration für dieses Album entstammt dem Konzept des Lichts – das in seinen verschiedenen Formen und in seiner Wechselwirkung mit den verschiedenen Tageszeiten interagiert. Man braucht einen gewissen Fokus, um die Texturen und Emotionen, die das Licht hervorrufen kann, zu erkennen. Ein schwacher Lichtschimmer, der die Dunkelheit durchdringt, signalisiert, dass man bereit ist zum Erwachen.
Wechselnde Umgebungen und Gefühle durchdringen das ganze Album und beschwören Atmosphären vom Morgengrauen bis zum Einbruch der Nacht.


Weiter führt sie aus:
Ein Teil des Projekts „The Gleam“ wurde für eine besondere Aufführung in der Meditationshalle von Ando Tadao im Museum San in Wonju, Korea, konzipiert. Licht ist ein integraler Bestandteil der Architektur dieses Raums. Während die Gefühle sofort eingefangen werden, erlauben uns die ständigen Bewegungen im Inneren, das Unerreichbare zu beobachten. Bei der meditativen Performance, die wir dort hatten, war der Klang eine Möglichkeit, das Licht weiterzutragen und ihm einen akustischen Ausdruck zu verleihen.
Dies führte zur Realisierung des letzten Stücks dieses Albums, ‚Temporary Inertia‘. Das Licht befindet sich in einem ständigen Wettlauf mit der Zeit. Sich wiederholend und doch konstant, hinterlässt es nur vorübergehende Gefühle. Das ist genau das, was ich mir für meine eigene Musik vorstelle.

„Das Atmen war von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit“.

Park Jiha


Mit nur 4 Instrumenten gelingt es Park Jiha uns an einen Ort zu führen, den man sich am besten als Meditationshalle vorstellen sollte. Ein Teil von The Gleam wurde für die Halle von Ando Tadao im Museum San in Wonju, Korea, konzipiert. Um es sich besser vorstellen zu können, habe ich hier ein Video ausgesucht. Ein mehr als beeindruckender Raum.

Man muss sich Zeit nehmen für Ihre Musik. Hier ist nichts gefällig oder leicht. Wenn man sich von Ihrer Musik treiben lässt, sich in den Strom begibt, ist das eine unglaubliche Erfahrung. Man kann das auch Meditation nennen.



Mark Vernon – Time Deferred / LP Gagarin Records


„Vernon macht für das Ohr, was die Filmemacher Peter Delpeut und Bill Morrison – die mit veraltetem Archivmaterial arbeiten – für das Auge tun. Er ermutigt uns, genau hinzuhören auf Oberflächen, auf die winzigen Risse im Gewebe der Welt selbst. Was bleibt, ist die verwitterte, zerbrochene Hülle des Klangs, lange, nachdem sich das Lied aufgelöst hat. Was wir hören, ist der verzerrte Klang des Mediums – seine unendliche Verwundbarkeit und exponierte Empfindlichkeit.“

Elodie A. Roy, Oxide Ostrich

His and Hers and the Sun from Mark Vernon on Vimeo.

Live at Hideous Porta 2015

Material, das in anderen Händen einfach eine langweilige Vision von Häuslichkeit sein könnte, wird in ein fesselndes Hörerlebnis verwandelt, das die Vergangenheit durch eine gebrochene Linse blickt. Was dabei herauskommt, ist surreal, bedrohlich, herzerwärmend und berührend; ein beunruhigender Umgang mit nostalgischen Gefühlen, Emotionen, denen man eindeutig nicht trauen kann. Unsere goldenen Zeiten können sich im Handumdrehen in monströse Albträume verwandeln.

Ed Pinsent, The Sound Projector on „Remnant Kings and Ribbons of Rust“


Angeregt durch seine jetzige Veröffentlichung höre ich mir gerade sein: „Ribbons of Rust – Audio Archaeology Series Vol​.​2: Laem Thian“ an. Und das kann ich Euch nur wärmstens an Eure Ohren legen. Das hat schon was von Magie! Auch habe ich hier noch eine Radiosendung über Mark.


Pjusk – Salt og Vind/ 12K


Mit „Salt og Vind“ meldet sich Pjusk aka Jostein Dahl Gjelsvik nach acht Jahren Album-Pause bei 12K zurück. „Salt og Vind“ (Salz und Wind) handelt, wenig überraschend, von den Kräften der Natur und dem Kontrast zwischen dem Flüchtigen und dem Bestehenden. In einem weiteren Sinne geht es um die Unfähigkeit oder den Kampf des Menschen, das Ewige zu begreifen und stattdessen nach vorübergehender Erfüllung zu suchen.


Pjusk aka Jostein Dahl Gjelsvik

Salt og Vind ist das 4. Album von Pjusk für 12k und kommt mit einer Dringlichkeit und einem Schwung, die man nicht oft in seiner Arbeit sieht. Von dem lauten, atonalen Beginn von „Det som aldri forsvinner“ bis zum üppigen, exotischen Rhythmus von „Ordene som blåste bort“ gibt es eine Bandbreite von der eisigen Erhabenheit bis zur detaillierten Komplexität. Pjusks Sinn für Raum und Produktion macht Salt og Vind zu einem ausladenden und tiefen Hörerlebnis. © Text: 12K



Ein nebliger, betörender, einstündiger Trip durch wogende Klanglandschaften, der wie jeder Nachtspaziergang besser wird, sobald sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben und man über die unmittelbare Umgebung hinausblicken kann, um die Details um einen herum zu erkennen. Setzen Sie die Kopfhörer auf, es gibt eine Menge zu sehen

TheSlowMusicMovement

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