!Spotify hilft dem Business, nicht den Künstlern: Misstöne im Schlaraffenland der Musik!
Von Ueli Bernays. Dank der Streaming-Plattform konnte das illegale Downloaden überwunden werden. In einem detailreichen Buch zeigt die Publizistin Liz Pelly vor allem aber die problematischen Seiten von Spotify.
Spotify ist ein musikalisches Schlaraffenland. Dank des schwedischen Onlinedienstes, den der Gründer Daniel Ek selbst als «himmlische Jukebox» anpries, kann man sich immer und überall fast alles anhören, was jemals aufgenommen und veröffentlicht worden ist.
Als Spotify 2008 an den Start ging, trug das Unternehmen überdies ein Versprechen in die Welt. Es wollte die Musikszene retten. Um die Jahrhundertwende nämlich hatten es Online-Plattformen wie Napster möglich gemacht, Alben und Songs per Filesharing gratis und illegal herunterzuladen. Musiker und Plattenfirmen wurden plötzlich um ihren Lohn gebracht.
Schweden war einst ein Land, das in rasantem Tempo Musiker hervorbrachte. Dies war vor allem der Verdienst einer Regierung, die Kindern kostenlosen Zugang zu Ausbildung, Instrumenten und Proberäumen sowie die Freiheit zum Experimentieren gewährte. Dies bricht zusammen, wenn die derzeitige rechtsgerichtete Regierung sich durchsetzt. Im Gegensatz dazu hat Irland mit einem dreijährigen Pilotprojekt „Basic Income for the Arts“ experimentiert, bei dem 2000 Künstler (nicht nur Musiker) Zahlungen erhielten, um das, was sie versuchten, zu ihrem Lebensunterhalt zu machen. Die Zahlungen waren minimal, aber die Auswirkungen waren enorm: Die psychische Gesundheit verbesserte sich, Musiker hatten Zeit zum Proben und Musikmachen, zum Zusammenarbeiten, um das zu schaffen, was … was war das noch mal? Ach ja, das zu schaffen, was den meisten Menschen von allen Freizeitbeschäftigungen am meisten Freude bereitet.
Letztendlich hat Liz Pelly ein monumentales Buch geschrieben, eines, das man Politikern an den Kopf werfen und dann in ein sinnvolles Gespräch einsteigen sollte. Eine Handvoll Menschen kann nicht länger über Millionen herrschen. Erinnern Sie sich daran, wogegen unsere Vorfahren in all den Kriegen gekämpft haben? Dies ist nur einer davon, aber er findet jetzt statt, und Pelly hat einen sorgfältig ausgearbeiteten Plan für das erstellt, wogegen wir mit aller Kraft ankämpfen sollten. Review / https://niklas.reviews/liz-pelly-mood-machine
© NZZ, Feuilleton, 25.5.2025