Stereo Sarah Vaughan at Mister Kelly´s, Chicago 1957 // „Die Göttliche“ Von Hans W. Ewert
Gunther Schuller nannte die vielfache Pollsiegerin, Grammy-und Emmy-Gewinnerin Sarah Vaughan (1924–1990) „die größte Vokalkünstlerin des 20. Jahrhunderts“. Mit ihrem Gesang überbrückte sie die Kluft zwischen dem Swing der Traditionalisten und den Errungenschaften der Instrumentalisten der Jazz-Moderne.
Von Hans W. Ewert
Wie so viele Jazz– und Bluesmusikerinnen machte Sarah Lois Vaughan ihre ersten musikalischen Schritte in einer Gospel-Kirche. Schon frühzeitig interessierte sie sich für die populären Bands, die in Newark auftraten und half gelegentlich am Klavier aus. Mit 18 trat sie als Sängerin bei dem legendären Amateurwettbewerb im Apollo Theater in Harlem auf die Bühne – und gewann. Einige Monate später erlebte sie an der Seite von Charlie Parker und Dizzy Gillespie in der Band von Billie Eckstine die Entstehung des Bebop aus nächster Nähe. Mit einem Umfang von vier Oktaven und der Fähigkeit, ihren Ton emotional aufzuladen brachte ihr reicher, dunkler Kontra-Alt einen neuen Ton in den Jazzgesang, der die Vokalkunst des Jazz grundlegend erweiterte. Ihr Club-Konzert im Mister Kelly’s in Chicago mit einem Trio, das im Mittelpunkt dieser Sendung steht, zeigt die „Göttliche“, wie Sarah Vaughan auch genannt wurde, auf dem Höhepunkt ihrer Kunst.
© WDR 3, Jazz & World, 4.6.2018