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Studio Elektronische Musik: praxis [49] Xenakis und die Musik anderer Kulturen

Iannis Xenakis wäre im Mai 2022 hundert Jahre alt geworden. Ein Anlass, sich einem bisher kaum beachteten Aspekt seiner elektroakustischen Musik zu widmen: der Verwendung fremden Kulturen entlehnter Klänge in seinen Tonbandstücken. Mit Reinhold Friedl.

In den 50er Jahren an der GRM, der Groupe de recherches musicales in Paris bei Pierre Schaeffer ausgebildet, kam er sofort mit außereuropäischer Musik in Verbindung. Schaeffer hatte nicht nur die GRM aufgebaut, sondern 1955 auch Label Orcana für außereuropäische Musik gegründet. Xenakis erster Kompositionsauftrag der GRM war, Filmmusik für Orient-Occident zu komponieren. Was lag da näher, als den Klang orientalischer Instrumente einzubinden? Er wurde Fan außereuropäischer Musiken und Pariser Archiv findet man eine lange Liste seiner Musiksammlung. Doch die ungewöhnlichen Klänge inspirierten Xenakis nicht nur. Die Fremdheit des musikalischen Materials, fiel bei ihm – den immer das Nicht-Musikalische reizte – auf fruchtbaren Boden: Er nahm die Geräusche von persischem Schmuck auf, verwendete afrikanisch Daumenklaviere, Kalimbas und integrierte in Hibiki-Hana Ma die Klänge einer japanischen Biwa. Der charakteristische Bassbordun seines Skandal-Werkes Bohor entstand aus Aufnahmen einer laotischen Mundorgel. Bearbeitete Maultrommel-Aufnahmen findet man in all seinen Polytopes. Etc… – Xenakis jenseits abendländischer Musiktradition: eine Spurensuche.

Mit Beispielen von:
Japanische Biwa-Musik und Musiken aus Zentralafrika, Süd-Laos, Persien, Griechenland, Sardinien



Mit Ausschnitten von:
Iannis Xenakis
Orient Occident
Bohor
Polytope de Cluny
Hibiki-Hana Ma
Persepolis
La Légende d’Eer
Voyage Absolu des Unaris vers Andomède

© WDR 3, Studio Elektronische Musik, 28.5.2022

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