Release Tipp: Christian Reiner & Martin Siewert – Erstens / Klanggalerie

Beim Hören der letzten „Late Junction“ Sendung stolperte ich über den Titel „Günther hat gekocht“ von Christian Reiner und Martin Siewert von Ihrer CD „Erstens“. Schnell den entsprechenden Ordner gesucht (Danke an meinen Dealer) und ja, ich bin sehr begeistert!


Der in München geborene und in Wien lebende klassisch ausgebildete Vokalist und Stimmkünstler Christian Reiner beschäftigt sich mit Lyrik, Prosa und experimentellen Texten und bewegt sich mit seiner Arbeit im Spannungsfeld zwischen Sprache, den Möglichkeiten der improvisierten menschlichen Stimme und Musik. Er veröffentlichte zwei Soloalben für ECM, auf denen er die „Turmgedichte“ des deutschen Dichters Friedrich Hölderlin rezitierte und sich auf „Elegie an John Donne“ (ECM, 2012 und 2017) mit Versen des russisch-amerikanischen Dichters und Nobelpreisträgers Joseph Brodsky auseinandersetzte, und arbeitete mit Improvisatoren wie dem Bassisten Christian Weber, dem Pianisten Philip Zoubek und dem Schlagzeuger Wolfgang Reisinger zusammen. Der ebenfalls in Deutschland, in Saarbrücken, geborene Wiener Gitarrist und gefragte Tontechniker Martin Siewert nahm Reiners Alben für ECM auf und ist bekannt für das Art-Rock-Trio Radian und seine Zusammenarbeit mit der Schlagzeugerin Katharina Ernst (im Duo Also), Ken Vandermark und Christian Fennesz. Wie Reiner hat auch Siewert für Theater-, Film- und Radioproduktionen gearbeitet. © Text: Klanggalerie


Christian Reiner & Martin Siewert

Den folgenden Text findet man auf der Internetseite von Christian Reiner. Dieser ist ebenso fantasievoll, wie die dazugehörige Musik.

Einen kleinen Augenblick. Legen Sie sich einen Augenblick auf den Boden. Es war am Meer. Und auf einmal ein Wal. Günther hat gekocht. Anita war nur ganz kurz in Ägypten. Gemütlich ist das nicht. Gewöhn Dich nicht daran. Mitten im Teppich: Würmer. Von den freundlichen Nachbarn stellte sich heraus, dass sie alle schmutzige Persönlichkeiten waren. Jetzt im Schwimmen ein goldenes Seepferdchen mit 4 Jahren und dann die Jugend doch nur vor Billardtischen verschenkt. Aber damit ist jetzt Schluss. Ein Wellensittich erlernt die Sprache recht einfach. Für Peter. Für Anneliese. Für Karsten. Für Veronika. Für Magdalena. Für Viktoria. Für Tanja. Für Klaus. Wann wird es endlich Frühling? Ich gebe ihnen den ganzen Käfig mit 24 Vögeln. Jedes Lied ist ab jetzt für Sie.

Christian Reiner hat dem Mica Magazin ein Interview gegeben, wo er über seine Arbeitsweise spricht.


„erstens“ ist das erste Album von Reiner und Siewert, die bereits mehrfach zusammengearbeitet haben und bei den Saalfeldener Festspielen 2021 in einem Quintett mit Weber, Zoubek und Schlagzeuger Jim Black auftraten, und es repräsentiert die experimentellsten Seiten der beiden Künstler. Reiner verfasste die Texte, die alle auf Deutsch sind, und zitiert in einem Stück („Gewöhn Dich Nicht Daranthe“) den deutschen Dichter Christian Morgenstern und in einem anderen Stück („Nichts Gesagt“) die deutsche Nachkriegsdichterin Marie Luise Kaschnitz. Siewert improvisierte und komponierte die Musik in Echtzeit, nahm die 11 Lieder in seinem Wiener Studio auf, mischte sie ab und masterte sie. © Text: Klanggalerie



Eyal Hareuveni (saltpeanuts) hat zu dieser Musik folgendes geschrieben:

Siewerts phantasievolle rohe und geräuschhafte Klangideen verankern Reiners poetische Überlegungen in industriellen, dringlichen und urbanen Umgebungen. Reiners dramatische Stimme wird oft zur Klangquelle für die schwierigen Verstrickungen von Siewert, und Reiner passt seinen dadaistischen Vortrag an die plötzlichen rhythmischen Muster und die rauen Klänge von Siewert an (siehe „rsbstl“ und „Mit 24 Vögeln“). Die längsten Stücke „Anita“ und „Nichts Gesagt“ fangen die theatralische und dadaistisch-exzentrische Gesangskunst von Reiner und die eigenwillige Klangvision von Siewert am besten ein, und beide Stücke haben eine beschwörende, eindringliche emotionale Kraft.


Es braucht seine Zeit, bis man versteht, dass hier Christian Reiner mit Worten, Texten selbst jongliert wie ein Saxofonist. Erinnerungen an die Dadaisten tauchen auf und an David Moss, den ich selbst im Konzert erleben durfte und der ähnlich agiert. Kongenial dazu improvisiert Martin Siewert auf seiner Gitarre und elektronischen Effektgeräten. Ich höre ihre Musik mit wachsender Begeisterung! Ich kenne wenige Künstler, die es schaffen, mit wenigen Worten so einen Sog zu entwickeln, der einen zu einer unbedingten Aufmerksamkeit zwingt. Es ist auf jeden Fall faszinierend.



Hier der Link zum Auftritt von Christian Reiner’s Luft-Projekt beim Jazzfestival Saalfelden 2022.

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