Studio Elektronische Musik: profil [67] + point of view [76]: Oxana Olmelchuk
Heute drehen sich die WDR 3 Open Sounds um die Komponistin Oxana Olmelchuk. Sie verät uns Ihre Einstellung zur Komposition und bringt das Abhängigkeitsgefüge von vermeintlich Wahrem und Falschen ins Wanken.
Mit Leonie Reineke
© WDR 3, Studio Elektronische Musik, 30.11.2019
profil [67]: Oxana Olmelchuk
Wir leben in einer Remix-Kultur. Und da gilt nicht nur die Regel „Ohne Original keine Kopie“, sondern auch „Ohne Kopie kein Original“. Diese Denkfigur, in der das Abhängigkeitsgefüge von vermeintlich Wahrem und Falschen ins Wanken gerät, steht im Zentrum der Musik von Oxana Omelchuk.
Die 1975 in Weißrussland geborene Wahl-Kölnerin arbeitet in ihren Kompositionen mit Versatzstücken aus verschiedenen musikalischen Feldern, die sie auf virtuose Weise miteinander verknüpft – weniger über Zitattechniken als vielmehr in Form von Stilkopien und Stilisierungen. Auf diese Weise kreïert sie musikalische „als-ob“-Momente. Sie komponiert klangliche Landschaften, die von historischen Allusionen, idiomatischen Überzeichnungen, ironischen Brechungen und raffinierten Kontextverschiebungen leben.
point of view [76]: Oxana Olmelchuk
„Komponieren“, sagt Omelchuk, „heißt für mich nicht unbedingt, immer etwas neues zu erfinden. Vielmehr geht es mir um eine Reflexion und Transformation von altem Material – ganz ähnlich wie wir beim Schreiben von Texten mit Worten arbeiten, die schon existieren“.
Insofern ist auch ihr Einsatz von Elektronik oft Sample-basiert und keineswegs Genre-gebunden. So aufgeschlossen wie Omelchuk dem klanglichen Möglichkeitsraum des Komponierens begegnet, so breit aufgestellt ist sie in ihrer künstlerischen Praxis: Neben dem Schreiben von Musik arbeitet sie auch in verschiedenen Formationen als improvisierende Synthesizer-Spielerin.
Für „point of view“ traf sie eine persönliche Auswahl an Musikstücken, die die Kölner Komponistin und Synthesizerspielerin inspirierten und begleiten.
| Komponist | Titel |
|---|---|
| Johannes Fritsch | Nachthelle (1997) |
| DJ Sniff | EP (2011) |
| Naked City Grand Guignol | Speedfreaks (1992) |
| Bernd Alois Zimmermann | Musique pur les soupers du Ubu Roi (1968) |
| Charles Ives | Three Places in New England Orchestral Set No. 1 (1911-14) |
| Daft Punk | harder better faster stronger (2001) |