TAZ: 100. Geburtstag von Charlie Parker: „Den Blues wegstampfen“Von Franziska Buhre
Charlie „Bird“ Parker (1920-1955) hob Jazz in höhere Sphären. Erinnerungen an einen stilsprengenden und rastlosen Saxofonisten.
Es sind sechzehn Sekunden, die alles vorwegnehmen: den atemberaubenden Strudel, der die Musikwelt erfassen wird; die Beglückung durch eine eigene Stimme, die Schmerz und Hochgefühl sanft vereint; und die Offenheit zur Zwiesprache mit musikalischen Gefährten. Dieses kurze Solo auf dem Altsaxofon spielt Charlie Parker 1942 in der Big Band von Jay McShann, deren ausgebuffter Swing ihm Auftrieb verleiht, um dem Sänger den roten Teppich auszurollen.
Und so kann Walter Browns Gesang nur in der Zeile münden „Forget your trouble and jump your blues away“. Der Trompeter Kenny Dorham, in den späten 1940er Jahren Mitglied in Parkers Quintett, fasste Jahrzehnte später zusammen, dass „Bird“, so der weithin anerkannte Spitzname Charlie Parkers, viele Musiker zwar in den Schatten gestellt habe, weil sie seiner Präsenz und Kraft nichts hätten entgegnen können und trotzdem habe sie Parkers Botschaft mitgerissen. Weil sie das heute noch tut, bereitet das Hören von Parkers Werken auch pure Freude.
© TAZ, Kultur, 28.8.2020