TAZ: „Ich konnte die Faszination für die Maschine hören“ Gunther Wüsthoff und Frank Bretschneider über Conrad Schnitzler
Ein Gespräch mit den elektronischen Musikern Gunther Wüsthoff und Frank Bretschneider über ihre neuen Alben, simple Loops, komplizierte Siebzehn-Sechzehntel-Takte und ihr Verhältnis zur Musikerikone Conrad Schnitzler. Von Lars Fleischmann
Ein west-östliches Gipfeltreffen: Gunther Wüsthoff, ab Ende der 1960er Saxofonist und Early-Keyboard-Adaptor der Hamburger Krautrockband Faust sowie Toningenieur, trifft auf Frank Bretschneider, in den 1980ern Teil des DDR-Punk-Undergrounds und nach der Wende Mitbegründer des Chemnitzer Elektroniklabels Rastermusic. Kürzlich sind von beiden Musikern spannende Soloalben erschienen, auf denen der Westberliner Synthesizerpionier Conrad Schnitzler eine Rolle spielt.
taz am wochenende: Seien wir mal drastisch, Herr Wüsthoff, Sie veröffentlichen ihr Solodebüt erst im tiefen Rentenalter. Gibt es so was wie Rente für Musiker*innen überhaupt?
Gunther Wüsthoff: Man hört nie auf, Musik zu machen! Und: Ich erreiche ja gerade erst den Höhepunkt meines Schaffens. (lacht)
Frank Bretschneider, Sie haben für die „Con-Struct“-Reihe von Bureau B auch mit den Aufnahmen des Berliner Musiktüftlers Conrad Schnitzler arbeiten dürfen. Nehmen wir mal an, dass diese den Geräuschen des angesprochenen Schiffswummerns nahekommen, stellt sich die Frage, wie sehr Sie sich einarbeiten mussten in diese Klangwelt.
Frank Bretschneider: Ich kannte die Musik von Conrad Schnitzler bereits, und mir war klar, dass diese sich von meiner eigenen Klangästhetik unterscheidet. Die Sounds, die mir Wolfgang Seidel (Drummer der Ton Steine Scherben und Freund von Schnitzler; Anm. d. Red.) zur Verfügung gestellt hat, waren rau, bisweilen komplex. Ich habe dann beschlossen, beide Welten miteinander zu verbinden, indem ich die Schnitzler-Sounds in mein Modularsystem einspeise und wie meine eigenen Klänge behandle.
© taz.am Wochenende, Kultur, 29.8.2020