The Free Jazz Collective Musiktipp: Rodrigo Amado This Is Our Language – Wailers / European Echoes Archive Series
Von Eyal Hareuveni. Wailers ist das bislang vierte Album des portugiesischen Saxophon-Stars Rodrigo Amado und seines amerikanischen Superquartetts This Is Our Language – Amado am Tenorsaxophon (auf dem linken Kanal), Joe McPhee am Tenorsaxophon (auf dem rechten Kanal), Kontrabassist Kent Kessler und Schlagzeuger Chris Corsano.
Das Album wurde im Oktober 2019 während der Europatournee des Quartetts aufgenommen, mit der es sein zweites Album, A History of Nothing (Trost, 2018), vorstellte – und zwar in demselben Studio, in dem es bereits sein erstes und zweites Album aufgenommen hatte: den Namouche Studios in Lissabon. Das dritte Album des Quartetts, Let The Free Be Men (Trost, 2021), wurde im März 2017 live im Jazzhose in Kopenhagen aufgenommen. Amado veröffentlichte diese Archivaufnahme auf seinem eigenen Label.
Die Musik wurde dem Quartett zugeschrieben, mit Ausnahme eines Stücks, dem herzlichen „Theory of Mind III“, das Amado (der hier Altsaxophon und Vogelwasserpfeife spielt), Kessler und Corsano McPhee gewidmet haben. „This Is Our Language“ bietet Free Jazz, verflochten mit freier Improvisation in ihrer intensivsten, ekstatischsten, poetischsten und spirituellsten Form, völlig besessen von der Musik des Augenblicks und diese so ernsthaft aufführend wie ihr Leben, während sie sich gleichzeitig des großen Erbes des Free Jazz bewusst sind und es respektieren. Die Energie des Quartetts wird vom Zuhörer augenblicklich aufgenommen und hat eine kraftvolle, motivierende und emotionale Wirkung, die John Lennons „Power to the People“ und Patti Smiths „People Have the Power“ in die Realität umsetzt. Sie erinnert uns, wie Baraka schrieb, an die ständige Notwendigkeit, den allgemeinen Übeln zu widerstehen und weiter für das Allgemeinwohl zu arbeiten.
Amado und McPhee klingen wie geistige Brüder, die sich gegenseitig mit feurigen Ideen und berührenden, melodisch-gefühlvollen Themen inspirieren, als hätten sie eine unerschöpfliche Quelle heiliger Lieder entdeckt. Man kann ihre tiefgründigen Gespräche auf „Hot Folk“ und „Subterranean Night Color“ immer wieder anhören und sich dennoch über diese inspirierte Magie wundern. Kessler und Corsano wissen, wann sie mit manischer, treibender Energie vorantreiben und wann sie das Zusammenspiel für eine introspektive Dynamik öffnen müssen, die die unverwechselbaren Stimmen dieses Quartetts und seine tiefe Kameradschaft hervorhebt. Man höre sich nur Kesslers meisterhaftes Streichsolo an, das „Violent Souls“ einleitet, sowie Corsanos rollende Trommeln und die Art und Weise, wie sie gemeinsam die Spannung für Amados und McPhees hochfliegende Soli aufbauen. Dieses großartige Album endet mit dem gefühlvollen, feurigen Blues „Blue Blowers“.
© The Free Jazz Collective, 5.5.2026