Musiktipps

The Free Jazz Collective Musiktipp: Emmeluth’s Amoeba – With Love / Moserobie

Von Brian Earley. Ich bin schon seit langem total verliebt in Emmeluths Kompositionen und Aufnahmen, und seit Signes Soloalbum „Hi Hello I’m Signe“ aus dem Jahr 2021 kaufe ich mir ihre Alben so schnell wie möglich; ein großer Verlust für mich war die 25er-Auflage von „Live 2022/2023“, bei der jedes Cover ein einzigartiges, von Emmeluth selbst handgemaltes Origami war (gibt mir Bescheid, wenn ihr wisst, wo ich eines finden kann!).

Irgendwie besitzt ihr Werk einen Klang, der zugleich völlig eigenständig und absolut neu ist. Dieses Album bildet da keine Ausnahme. Zum Beispiel ist schon wenige Sekunden nach Beginn des zweiten Titels der Platte, „Golugele“, der Sound unverkennbar der von Amoeba. Der Pianist Christian Balvig und Emmeluth hämmern komponierte Synkopen im Unisono nieder, während Karl Borjås klirrende Gitarre abwechselnd Offbeat-Akkorde mit Sonny-Sharrock-artigen Läufen spielt und Schlagzeuger Ole Mofjell die Snare in Splash- und Crash-Beckenwellen rollt.

Manchmal erinnert Emmeluths Gruppe an Don Cherrys multithematische Werke, in denen kleine Themen zu weitläufigen Improvisationen heranwachsen. Tatsächlich ist dieses Album, ähnlich wie „Complete Communion“ oder „Symphony for Improvisers“, eine einzige lange Suite, auch wenn es vielleicht eine strengere kompositorische Linie beibehält als diese legendären Alben. Manchmal ist Coltrane aus der „Sun Ship“-Ära präsent, wie etwa bei „Amoeba 1“, dem ersten Titel der Platte. Das Werk klingt, trotz der Gemeinschaft der Free-Jazz-Vorfahren, die aus dem Äther auf ihre musikalische Abstammungslinie herablächeln, wie nichts anderes. Man täusche sich nicht: Emmeluth und die Band imitieren niemanden, aber sie kommen nicht aus dem Nichts. Auch wenn ihre Wurzeln tief reichen, entfalten sie sich zu Blütenblättern und Fäden, die an keinem anderen Stiel zu finden sind.

Die Musik stürzt frei vorwärts, bleibt dabei aber fest verschmolzen. Hört euch den eröffnenden Ausbruch bei „Amoeba 2“ an, wo Emmeluths Horn der Gruppe bald die Richtung zu einem Heavy-Metal-artigen Gitarrenriff weist, das etwa bei 2:00 einsetzt. Das Werk stampft vorwärts und arbeitet dabei mit schockierender Präzision, kommt aber erst richtig in Schwung, wenn es in den folgenden Track „Hubby“ übergeht. Die Musik verwandelt sich in ein asymmetrisches Wackeln, das sich um die 30-Sekunden-Marke zu einem glissandierenden Heulen steigert. Das Riff kehrt zurück und weicht bald Emmeluths Altflöte, die an der Spitze der Musik pfeift, bevor sie sich in ein Noise-Solo stürzt, das von Balvik vorangetrieben wird, der auf die Klaviertasten hämmert.

Ich hoffe, ich mache mir keine Illusionen über mein Privileg, ein so komplexes und wunderschönes Werk hören zu dürfen. The Amoeba wirft uns immer noch Fäden zu, die wir im Labyrinth auffangen und verfolgen können, und ich möchte nicht selbstgefällig werden angesichts dessen, wie wunderbar es ist, einfachen Zugang zu dieser bemerkenswerten Musik zu haben. Die Liebe zum Detail, das Bekenntnis zur Originalität und die bewusste Anknüpfung an die Tradition zeigen, wie viel Liebe in die Entstehung dieses Albums geflossen ist, und mit Liebe danke ich allen Beteiligten dafür.

© The Free Jazz Collective,

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