Musiktipps

The Free Jazz Collective Musiktipp: Sylvie Courvoisier Trio – Éclats-Live in Europe / Intakt Records

Von Kenneth Blanchard. Diese Aufnahme dokumentiert zwei Auftritte in Deutschland während einer Europatournee im Jahr 2025. Das Trio besteht aus dem hervorragenden Bassisten Drew Gress, Kenny Wollesen am Schlagzeug sowie den „Wollesonics“. Letztere sind von Wollesen erfundene Instrumente. Einige dieser faszinierenden Kreationen können Sie unter diesem Link sehen: https://www.15questions.net/interview/kenny-wollesen-about-drumming/page-1/ .

Courvoisier erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Stipendium „United States Artist Fellow“ (2020), das Stipendium der Foundation for Contemporary Arts für Künstler (2018), den Schweizer Musikpreis (2018), den Jazzpreis der SUISA (2017) sowie den Grand Prix de la Fondation Vaudoise de la Culture (2010). Sie erhielt Kompositionsaufträge für neue Werke von der Shifting Foundation (2019) und im Rahmen des Programms „New Jazz Works“ von Chamber Music America (2016).

Éclats präsentiert eine Reihe von Kompositionen, die um relativ einfache Linien herum aufgebaut sind. Courvoisiers Klavierspiel reicht von heroisch bis spritzig. Die Stücke sind stimmig und an vielen Stellen dramatisch oder sogar romantisch. „Requiem d’un songe“ kommt einer Erzählung am nächsten, wenn auch mit einer Vielzahl traditioneller Akzente. Es erinnert mich an die Kompositionsstrategien (wenn auch nicht an den Klang) von Thelonious Monk.
„Imprint Double“ beginnt mit einem stampfenden Drive, der sich gut als Soundtrack für eine Postkutschenszene in einem Western eignen würde. Diese Dynamik wird in regelmäßigen Abständen durch kurze Dialoge zwischen dem Klavier und demjenigen unterbrochen, der gerade den Beifahrersitz besetzt. Darauf folgt ein nachdenklicher Dialog mit genügend Raum, damit jedes Instrument jeden Moment präzise definieren kann. Dann geht es wieder weiter durch die unebene Landschaft.
„Big Steps Toward Silence“ ist ein reizendes Stück, das vielleicht der ideale Einstieg ist, wenn man schätzen möchte, was jedes Mitglied des Trios auf die Bühne bringt – doch die Percussion schafft eine sanfte Stimmung ebenso wirkungsvoll wie das Klavier.
Während eines Großteils der Aufnahme bin ich mir nie sicher, wo das Schlagzeug aufhört und die Wollesonics beginnen. „Free Hoops“ beginnt hingegen mit einem sehr aromatischen Klappern, das nicht so klingt, als käme es von einem mir bekannten Schlagzeug.

Dies ist ein großartiges Album. Wenn es Ihnen gefällt, sollten Sie sich vielleicht das Studioalbum des Trios D’Agala anhören. Beide Aufnahmen sind bei Bandcamp.

© Free Jazz Collective, 20.5.2026

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