„TONLAGEN“ Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik
Mit Werken von Reiner Bredemeyer, Hermann Keller, Friedrich Goldmann, Paul-Heinz Dittrich, Wolfgang Heisig, Annette Schlünz. Mit Leonie Reineke.
Wer die „Todesfuge“ vertont, traut sich etwas. Denn durch seine markante Form und Sprache ist das berühmteste Gedicht von Paul Celan schon für sich genommen ein überaus starkes Werk. Der 1930 im Erzgebirge geborene Komponist Paul-Heinz Dittrich nahm sich dennoch dieser Herausforderung an: Im Alter von 68 Jahren beendete er die Arbeit an seinem 32-stimmigen Chorstück „Memento Mori. Todesfuge nach Paul Celan“. Mit dieser Komposition hatte er ein Werk von außerordentlicher Komplexität geschaffen, an das sich lange Zeit keine Interpreten heranwagten.
Erst in diesem Jahr, kurz nach Dittrichs Tod, kam das Stück beim Festival „TONLAGEN – 30. Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik“ mit dem Ensemble AuditivVokal zur Uraufführung. In einem anderen Konzert der „TONLAGEN“ fokussierte das Leipziger Ensemble Avantgarde schlaglichtartig weitere künstlerische Standpunkte ostdeutscher Komponistinnen und Komponisten mit sehr unterschiedlichen Handschriften: Friedrich Goldmann und Reiner Bredemeyer, auch Hermann Keller gehören zu jenen Vertretern ostdeutscher Avantgarde, die sich am DDR-Kulturbetrieb heftig rieben. Präsent war im Programm ebenso deren Schüler-Generation mit Annette Schlünz, Nicolaus Richter de Vroe, Wolfgang Heisig und Steffen Schleiermacher, denen sich um 1989/90 neue Wirkungsräume eröffneten.
Paul-Heinz Dittrich: Memento Mori. Todesfuge
Auditiv Vokal Dresden; Leitung: Olaf Katzer
Friedrich Goldmann: Trio
Wolfgang Heisig: „Klaviertöne“, instrumentiert von Steffen Schleiermacher (UA)
Hermann Keller: Ich … Du (Lasker-Schüler-Montage)
Reiner Bredemeyer: Quartett
Annette Schlünz: verschattet
Julia Sophie Wagner, Sopran; Steffen Schleiermacher, Klavier
Ensemble Avantgarde
Aufnahmen vom 17./18.4.2021 aus dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau
© Deutschlandfunk, Konzertdokument der Woche, 3.10.2021