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UKJazzNew Release Tipp: Gary Peacock & Ralph Towner – Oracle / ECM

Von Phil Johnson. Zum ersten Mal auf Vinyl erscheint dieses wunderschöne Duo-Album des Bassisten Gary Peacock und des Gitarristen Ralph Towner, dessen Tod Ende letzten Monats einen unerwarteten Abschiedskontext geschaffen hat.

Im Gegensatz zum zweiten ECM-Release des Duos, „A Closer View“, das 1995 aufgenommen wurde, bei dem Towners Name an erster Stelle stand und dessen Schwerpunkt auf seinen Kompositionen lag, schrieb Peacock für dieses Debütalbum sechs der neun Titel, Towner zwei, wobei beide für den Titelsong als Co-Autoren genannt werden.

Die Credits sind insofern bemerkenswert, als Peacocks Stücke eigenständige, einprägsame Kompositionen sind und nicht nur als Gerüst für Improvisationen dienen. Ebenso charakteristisch ist sein Spiel mit seinem sonoren, holzigen, artikulierten Ton. Er brilliert gleichermaßen in den langsameren, emotional ausdrucksstärkeren Stücken wie auch in den blitzschnellen Läufen über den Hals des Instruments, die an konventionelle Walking-Bass-Linien erinnern, ein Merkmal der Up-Tempo-Stücke.

Der Eröffnungstitel „Gaya“ deckt beide Kontrabass-Grundlagen in einer einzigen, komplex strukturierten Melodie ab. Während der Titel auf den ersten Blick Towners klassische Nylonsaitengitarre als Hauptstimme erscheinen lässt, kann man Peacocks Beitrag durchaus als die eigentliche Melodie verstehen. Dasselbe gilt für den fast bebopartigen folgenden Titel, das rasante „Flutter Step“, ein weiteres Original von Peacock.

Da beide Musiker Meister des Raums und der Stille sind, gelingt es ihnen natürlich, umeinander herum und um das übergeordnete Thema herum zu improvisieren, ohne sich jemals in die Quere zu kommen. Dies ist sicherlich auch ihrer gegenseitigen musikalischen Großzügigkeit zu verdanken. Wie auf dem späteren Album „A Closer View“ spielt Towner bei ein oder zwei Titeln die 12-saitige Gitarre, was die Gesamtbalance leicht zu seinen Gunsten verschiebt, obwohl mir die Ergebnisse mit seiner klassischen Gitarre besser gefallen. © Alle Texte: Phil Johnson

Es mag banal und pathetisch klingen, wenn ich zum Schluss sage, dass wir sowohl Towner als auch Gary Peacock, der 2020 im Alter von 85 Jahren (im gleichen Alter wie Towner) verstorben ist, nie wieder in dieser Form erleben werden, aber es ist dennoch wahr. Sie hatten viele Gemeinsamkeiten: Sie wurden im pazifischen Nordwesten geboren oder wuchsen dort auf, fanden ihr jeweiliges Instrument erst, nachdem sie mit anderen begonnen hatten, und ließen sich sowohl von Musik als auch von anderen Bereichen inspirieren. Um sich ein vollständigeres Bild zu machen, sollte man Towner solo (und mit Oregon) und Peacock (mit Albert Ayler, Paul Bley und Keith Jarretts Standards Trio) hören. Aber dieses Duo-Album, das wie sein Nachfolger „A Closer View“ im Rainbow in Oslo aufgenommen wurde, ist ebenfalls ein guter Einstieg.

© UKJazzNew, Reviews, Alle Texte: Phil Johnson, 9.2.2026

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