Bandcamp Release Tipp: Phew and Danielle de Picciotto – Paper Masks
Von Erick Bradshaw. Paper Masks von Phew und Danielle de Picciotto ist eine Reihe von unterbrochenen Übertragungen und der Soundtrack zur Postapokalypse. Auf acht Tracks spielt sich Paper Masks wie ein Gespräch zwischen verzweifelten Seelen ab, die nicht wissen, ob jemand am anderen Ende ist, aber dennoch weiter Signale senden.
Phew ist seit ihrer Zeit als Frontfrau der Post-Punk-Pioniere Aunt Sally eine feste Größe in der japanischen Underground-Szene, bevor sie mit Größen wie Ryuichi Sakamoto und Holger Czukay und Jaki Liebezeit von Can zusammenarbeitete. 1992 spielte Liebezeit auf Phews Album Our Likeness, auf dem auch Alexander Hacke von Einstürzende Neubauten an der Gitarre zu hören ist. 2006 heiratete Hacke Danielle de Picciotto, eine amerikanische Künstlerin, die seit langem in Berlin lebt, wo sie 1989 die weltberühmte Love Parade mitbegründete. Mit hackedpicciotto schöpfen die beiden aus einer breiten Klangpalette, um urbane, romantische Songs zu kreieren, die vor rohen Emotionen nur so sprühen.
Für „Paper Masks“ tauschten Phew und de Picciotto Sounddateien aus, wobei Letztere Aufnahmen ihrer Stimme beim Sprechen, Rezitieren und Singen in Deutsch und Englisch beisteuerte. In Anlehnung an die Exquisite-Corpse-Methode antwortete Phew auf diese Aufnahmen mit ihren eigenen Gesangsbeiträgen und verarbeitete sie zu den hier enthaltenen Klanglandschaften. Wie das kürzlich neu aufgelegte Album „Radium Girls“ zeigt, ist Phew bereits mit der Halbwertszeit radioaktiver Stoffe vertraut, und „Paper Masks“ ist eine Ode an eine zerfallende Zukunft – düster, aber schön. Mit mehreren Stimmen und Sprachen, die übereinandergelegt sind, wird das Album durch Atemzüge definiert – Einatmen, Ausatmen, Stöhnen, Seufzen, Flüstern, Keuchen. „Sugar Sprinkles“ ist wie das Navigieren durch ein Minenfeld, während sich geloopte und verzerrte Stimmen über unvorhersehbare Feedback-Explosionen verteilen. „Amnesie“ präsentiert eine zum Scheitern verurteilte Reise durch die Ödnis, während ein himmlischer, aber teilnahmsloser Chor de Picciottos verzweifelte, verzerrte Hilferufe über Funk ignoriert. In „Iceberg“ klingen Phew und de Picciotto, als würden sie aneinander vorbeireden, aber tatsächlich versuchen sie, eine Verbindung herzustellen. Ist das ein Hoffnungsschimmer am Horizont?
© Bandcamp Daily, Alle Texte: Erick Bradshaw, 19.2.2026